Politik

Ethikrat für die Einführung eines dritten Geschlechts

Donnerstag, 23. Februar 2012

Berlin – Der Deutsche Ethikrat hat sich für die Einführung eines dritten Geschlechts ausgesprochen. Der Gesetzgeber sollte im Personenstandsregister neben „männlich“ und „weiblich“ die Kategorie „anderes“ einführen, empfiehlt der Rat in einer heute in Berlin vorgestellten Stellungnahme zur Situation Intersexueller Menschen. Medizinische Eingriffe zur Geschlechtszuordnung bei Menschen mit uneindeutigem Geschlecht seien ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit und sexuelle Identität. Darüber müssten grundsätzlich die Betroffenen selbst entscheiden.

Nach Schätzungen kommen jedes Jahr einige Hundert Kinder zur Welt, deren Chromosomen, Geschlechtsorgane, Hormone oder Keimdrüsen nicht alle demselben Geschlecht zuzuordnen sind. Insgesamt sollen in Deutschland bis zu 120.000 Menschen betroffen sein. In der rund 200-seitigen Stellungnahme des Ethikrates kommen auch Betroffene zu Wort. Das Gremium spricht sich für einen Unterstützungsfonds aus sowie für eine staatliche Finanzierung von Selbsthilfegruppen.

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Ein Mensch, der sich weder als weiblich noch männlich zuordnen könne, dürfe nicht rechtlich dazu gezwungen werden, betonen die Ratsmitglieder. Dies sei ein „nicht zu rechtfertigender Eingriff in das Persönlichkeitsrecht und das Recht auf Gleichbehandlung“. Der Ethikrat schlägt vor, Menschen mit dem Geschlechtseintrag „anderes“ die eingetragene Lebenspartnerschaft zu ermöglichen.

Ein Teil des Ethikrates plädiert darüber hinaus dafür, ihnen auch die Möglichkeit der Eheschließung zu eröffnen. Der Gesetzgeber sollte auch prüfen, ob eine Eintragung des Geschlechts im Personenstandsregister überhaupt noch notwendig sei.

Bei noch nicht selbst entscheidungsfähigen Betroffenen sollten medizinische Eingriffe nach Maßgabe des Ethikrates nur erfolgen, wenn dies aus Gründen des Kindeswohls erforderlich ist - etwa um schwerwiegenden Gefahren für die physische Gesundheit oder das Leben der Betroffenen abzuwenden. Im Zweifel sollten die Ärzte aber bei „geschlechtsvereindeutigenden Eingriffen“ die Entscheidungsfähigkeit der Betroffenen abwarten. © kna/aerzteblatt.de

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