Krebsresistenzen als Blutgruppeneigenschaft
Freitag, 24. Februar 2012
Paris – Ein internationales Forscherteam hat die für die
Blutgruppeneigenschaften Langereis und Junior verantwortlichen Antigene
identifiziert. Es handelt sich um Proteine, die in der Krebstherapie eine
Resistenz gegen Zytostatika vermitteln. Laut den Berichten in Nature Genetics
(2012; 44: 170-173, 174-177) könnte Junior von klinischer Bedeutung sein, da
neben Japanern auch Sinti und Roma negativ auf dieses Merkmal sein können.
Die Blutgruppeneigenschaften werden durch Antigene auf der
Oberfläche der Erythrozyten bestimmt. Von Bedeutung sind diese Antigene aber
nur, wenn sie nicht bei allen Menschen vorhanden sind. Denn nur diese
„negativen“ Personen bilden Antikörper gegen das für sie fremde Antigen, die
dann schwere Transfusionsreaktionen oder Mutter-Kind-Inkompatibilitäten
auslösen können.
Die International Society of Blood Transfusion (ISBT)
betrachtet derzeit 30 Blutgruppeneigenschaften als klinisch relevant. Die
Eigenschaft „Lan“ oder Langereis gehört nicht dazu. In Deutschland sind nur
maximal 0,02 Prozent „Lan“-negativ. Transfusionsreaktionen wurden bisher nicht
beschrieben.
Bei der jetzt neu entdeckten Eigenschaft Junior könnte dies
anders sein. In Japan sind mehr als 50.000 Menschen junior-negativ, schreibt
die Gruppe um Lionel Arnaud vom l'Institut National de la Transfusion Sanguine
in Paris. Transfusionsreaktionen oder Mutter-Kind-Inkompatibilitäten seien dort
beobachtet worden. Auch hierzulande könnte es dazu kommen. Denn die Eigenschaft
von junior-negativ ist laut Arnaud auch bei europäischen Sinti und Roma
(„European Gypsy“) verbreitet.
Arnaud hat zusammen mit Forschern aus Japan und den USA
jetzt herausgefunden, welche Proteine für die beiden Blutgruppeneigenschaften
verantwortlich sind. Es handelt sich um Transportproteine, die körperfremde
Substanzen, sogenannte Xenobiotika, aus der Zelle herausschaffen. Dies könnte
in der Natur die Zellen widerstandsfähiger gegen Vergiftungen machen. Bei der
Chemotherapie von Krebsleiden erschwert es allerdings die gezielte Vergiftung
der Tumorzellen.
© rme/aerzteblatt.de
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