Ausland

Illegaler Medikamentenhandel: Soziale Netzwerke missbraucht

Dienstag, 28. Februar 2012

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Wien – Der illegale Medikamentenhandel im Internet zielt nach Angaben des UN-Drogenüberwachungsrats zunehmend auf junge Kundschaft. „Illegale Internetapotheken haben damit begonnen, Kunden mit Hilfe von sozialen Netzwerken auf ihre Seiten zu locken“, warnte der Leiter des Internationalen Suchtstoffkontrollrats (INCB), Hamid Ghodse, bei der Vorstellung des Jahresberichts seines Gremiums heute in Wien.

Über die sozialen Netzwerke erreichten die illegalen Apotheken ein deutlich größeres und jüngeres Publikum und versuchten, es zu Onlinebestellungen zu verführen. „Das kann ein großes und vor allem junges Publikum dem Risiko des Konsums gefährlicher Produkte aussetzen“, warnte Ghodse.

Er verwies darauf, dass mehr als die Hälfte der von illegalen Apotheken im Internet vertriebenen Arzneimittel gefälscht sei. Die Experten vom INCB riefen die Regierungen auf, verstärkt gegen verbotenen Medikamentenhandel im Internet vorzugehen.

Zugleich forderte die Organisation mehr Hilfe für gesellschaftliche Randgruppen weltweit. Soziale Probleme wie Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Wandel seien sowohl in Industrienationen als auch in Entwicklungs- und Schwellenländern eine entscheidende Ursache für Drogenhandel und –missbrauch. So zahlreich wie die Regionen, die in den Bericht einflossen, so unterschiedlich stellt sich demnach die jeweilige Drogenproblematik dar.

In Europa etwa nimmt dem Bericht zufolge die Vielfalt der konsumierten Drogen zu. 2010 wurde die höchste Anzahl neuer Substanzen festgestellt, von denen viele bis dahin nicht internationaler Kontrolle unterlagen, darunter das zu Gruppe der Amphetamine gehörende Mephedron.

Den Angaben zufolge ist Europa nach wie vor der zweitgrößte Kokainmarkt weltweit, wobei der Konsum in den Ländern West- und Mitteleuropas stagniert. Dafür steigen sowohl der Kokainmissbrauch als auch der Heroinkonsum in Südost- und Osteuropa, insbesondere in der Ukraine und den Ländern der Russischen Föderation.
Für Afrika ist dem Bericht zufolge insbesondere sein Status als Transitregion für den Drogenschmuggel ein Problem. In Kenia und Tansania seien 2011 Rekordmengen an Heroin beschlagnahmt worden, sagte INCB-Expertin Carola Lander, ohne jedoch Zahlen zu nennen. Der steigende Heroinzufluss in die Region habe auch zu verstärktem Drogenmissbrauch geführt.

Eine Legalisierung von Drogen zur Eindämmung der Drogenkriminalität lehnt der INCB jedoch ab. „Das wäre nicht hilfreich, um der Kriminalität den Boden zu entziehen“, sagte Lander. Etwas anderes sei die Entkriminalisierung des Konsums durch Süchtige. In einem solchen Fall handele es sich um eine Form der medizinischen Verwendung der Drogen.

Ein internationales Problem stellt laut Suchtstoffkontrollrat der Einsatz von Drogen bei der Begehung von Sexualstraftaten dar: Immer häufiger würden sogenannte Date-Rape-Drogen eingesetzt. Das Gremium forderte die Regierungen auf, Vergewaltigungsopfer gezielter auf entsprechende Rückstände zu untersuchen, um den Einsatz der Drogen nachweisen zu können.

Der Suchtstoffkontrollrat kritisierte scharf, dass Bolivien im vergangenen Jahr das Einheitsabkommen über Betäubungsmittel von 1961 aufgekündigt habe. Das Abkommen definiere Kokablätter als Betäubungsmittel und stelle sie unter strenge Kontrolle. Bolivien als größter Koka-Produzent wolle mit seinem Schritt eine Legalisierung des Koka-Abkommens erreichen.dapd

© afp/dapd/aerzteblatt.de

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