Medizin

Morbus Alzheimer: Enzym-Blockade könnte kognitive Funktionen verbessern

Donnerstag, 1. März 2012

Cambridge – Ein Forscherteam aus den USA und der Schweiz hat einen neuen Ansatz zur Behandlung der Alzheimerdemenz entdeckt. In Nature (2012; doi: 10.1038/nature10849) berichten sie, wie sie in einem Mäusemodell durch die Ausschaltung eines Enzyms das Erinnerungsvermögen der Tiere steigern konnten. Ein ähnlicher Therapieansatz beim Menschen wäre vorstellbar.

Die Alzheimerdemenz ist vermutlich die Folge von Amyloid-Ablagerungen in den Hirnzellen. Die meisten derzeitigen Therapien und Impfstoffe versuchen deshalb, diese Ablagerungen zu stoppen oder sogar zu entfernen.

Anzeige

Die Gruppe um Li-Huei Tsai vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge geht einen anderen Weg. Die Forscher haben festgestellt, dass nicht allein die Ablagerungen die Demenz fördern. Es kommt in der Frühphase der Erkrankung auch zu aktiven Veränderungen im Zellstoffwechsel, die ebenfalls zur Entwicklung der Demenz beitragen. Dazu gehöre die Aktivierung von sogenannten Histondeacetylasen (HDAC).

HDAC sind als Gruppe von Enzymen dafür zuständig, dass die DNA im Zellkern auf Spulen, Histone, gewickelt wird. Durch die Deacetylierung verstärken die Enzyme die Bindung und verhindert dadurch, dass Gene der DNA abgelesen werden. In früheren Studien hatte Tsai nachweisen können, dass eines der Enzyme, HDAC2, ein wichtiger Regulator für Gene ist, die Lernfähigkeit und Gedächtnis beeinflussen.

Jetzt können die Forscher an einem Mäusemodell zeigen, dass die Alzheimerkrankheit mit einer vermehrten Bildung von HDAC2 im Hippocampus einhergeht. Daraufhin schalteten sie in einem Experiment die HDAC2 ab.

Sie bedienten sich dabei sogenannter Hairpin-RNA, kleine Genschnipsel, die die Messenger-RNA blockieren, so dass keine HDAC2-Enzyme mehr gebildet werden. Die Tiere erholten sich daraufhin von ihren Lerndefiziten. Mäuse mit weniger HDAC2 erinnerten sich beispielsweise besser an den Ort einer in einem trüben Wasserbecken versteckten Plattform, berichten die Forscher.

Hairpin-RNA werden derzeit nur in der Grundlagenforschung angewendet. Es gibt aber auch Wirkstoffe, die das Enzym HDAC blockieren. In den USA wurde mit Vorinostat kürzlich erstmals ein HDAC-Inhibitor in der Krebsbehandlung zugelassen. Für die Behandlung des Morbus Alzheimer ist das Mittel nach Ansicht der Autoren nicht geeignet, da seine Wirkung zu unspezifisch ist. Benötigt würden spezielle HDAC2-Inhibitoren, die erst noch synthetisiert werden müssen. Die dann folgende klinische Entwicklung würde sich vermutlich über mindestens zehn Jahre hinziehen, schreiben die Forscher. © rme/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

26.07.16
New York – Die bei der Alzheimerkrankheit typischen Tau-Proteine wandern über den extrazellulären Raum und könnten so andere Zellen infizieren. Möglicherweise spielt dies eine Rolle bei der......
19.07.16
Alzheimer Gesellschaften fordern, Kranke weniger zu fixieren
Düsseldorf – Angehörige von Menschen mit Demenz wollen die Verwendung von Gurten und Gittern bei den Kranken deutlich verringern. „Es wird viel zu viel festgegurtet“, sagte Regina Schmidt-Zabel,......
06.07.16
Berlin – Union und SPD haben gestern entschieden, dass über die gruppennützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen wie etwa Demenzkranken erst nach der Sommerpause im Bundestag beraten......
05.07.16
Berlin – Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will die gruppennützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen – wie zum Beispiel Demenzkranken – erleichtern. Obwohl sich Union und SPD......
30.06.16
Gruppennützige Forschung: Union und SPD bringen gemeinsamen Antrag ein
Berlin – Union und SPD haben sich im Streit um die gruppennützige Forschung an nichteinwilligungsfähigen Menschen wie zum Beispiel Demenzkranken auf einen gemeinsamen Änderungsantrag verständig. Zuvor......
22.06.16
Köln – Die Unionsfraktion hat sich auf einen Vorschlag geeinigt, unter welchen Voraussetzungen Forschung an nicht einwilligungsfähigen Erwachsenen, wie beispielsweise Demenzkranken, erlaubt werden......
14.06.16
Ultraschall und Mikrobubbles befördern Medikamente durch die Bluthirnschranke
Washington - Die Blut-Hirn-Schranke verhindert, dass giftige Stoffe, aber auch Medikamente von der Blutbahn in das Gehirn gelangen. Mittels Ultraschall und Gasbläschen ist es Forschern gelungen, diese......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige