Politik

Organspende in Deutschland wird neu geregelt

Donnerstag, 1. März 2012

Berlin – Alle Bürger über 16 Jahren sollen künftig regelmäßig zu ihrer Organspende-Bereitschaft befragt werden. Vertreter aller Fraktionen einigten sich am Donnerstag in Berlin auf eine entsprechende Änderung des Transplantationsgesetzes, wie die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses Carola Reimann (SPD) sagte.

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Die Einigkeit aller Bundestagsfraktionen ist nach Ansicht von Bundes­gesund­heits­minister Daniel Bahr (FDP) ein starkes Signal an die Bevölkerung. Die Unterstützung der Parteien zeige, wie wichtig es sei, sich bei der Organspende zu entscheiden, sagte der FDP-Politiker am Freitag im Deutschlandfunk. Er betonte: „Es gibt viele Sorgen und viele Ängste beim Thema Organspende“. Viele davon könnten mit guter Information genommen werden.

Den Änderungen am Transplantationsgesetz zufolge sollen in Zukunft alle Bürger ab 16 Jahren regelmäßig gefragt werden, ob sie zur Organspende bereit sind. Darüber hinaus sollen die Behörden bei der Ausgabe von amtlichen Ausweisen – zum Beispiel Reisepass oder Führerschein – Informationen zur Organspende verteilen. Wichtig sei, dass die Erklärung in jedem Fall freiwillig erfolgt, sagte gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion Jens Spahn. „Es geht nicht um Zwang, sondern darum die Menschen von der Notwendigkeit zur Organspende zu überzeugen.“

Das erste Schreiben an die Bürger solle bereits in diesem Jahr versandt werden, kündigte Spahn an. Ein weiteres Schreiben solle in zwei Jahren folgen, ab 2017 sollen sich die Kassen dann alle fünf Jahre postalisch bei den Versicherten melden. Idealerweise solle die Entscheidung der Versicherten zur Organspende auf ihrer Versichertenkarte gespeichert werden.

Der hessische Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) bezeichnete die geplante Neuregelung der Organspende in Deutschland als nicht weitreichend genug. „Wir benötigen vor allem eine Regelung auch für diejenigen, die sich nicht erklären. Denn hier müssen mehrheitlich die Angehörigen die Entscheidung zur Organspende treffen“, sagte Grüttner am Donnerstag in Wiesbaden. Es bestehe weiterhin die Gefahr, dass sich an dem derzeit bestehenden gravierenden Mangel an Spenderorganen nur wenig ändere, betonte der Minister.

Mehr als 12.000 Menschen warten in Deutschland derzeit auf ein Spenderorgan. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) sterben jedes Jahr rund 1.000 Menschen aufgrund fehlender Spenderorgane.

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind derzeit 74 Prozent der Deutschen zu einer Organ- und Gewebeentnahme nach ihrem Tod bereit. Allerdings besitzen nur 25 Prozent einen entsprechenden Spenderausweis. Die meisten Ausweise sind in der Gruppe der 26- bis 55-Jährigen mit 27 Prozent zu finden, die kleinste Gruppe ist mit 21 Prozent die der 56- bis 75-Jährigen. © dapd/aerzteblatt.de

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