Medizin

Nierenspende frei von kardiovaskulären Risiken

Freitag, 2. März 2012

London/Ontario – Obwohl der Lebendspender einer Niere die Hälfte seiner Nierenmasse opfert, muss er keine erhöhte Rate von Herz-Kreislauf-Erkrankungen befürchten. Dies geht aus einer Fall-Kohortenstudien im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 344: e1203) hervor.

Weltweit spenden jedes Jahr mehr als 27.000 Menschen eine Niere. Das Operationsrisiko der Nephrektomie ist minimal. Auch die Gefahr, dass die Leistung der verbliebenen Niere langfristig nicht ausreichen könnte, ist gering. Fünf frühere Studien aus den USA, Japan, Norwegen und Schweden kamen sogar zu dem Ergebnis, dass Lebendspender eher eine höhere Lebenserwartung haben als gleichaltrige Vergleichspersonen.

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Dies könnte zu einen an der vermehrten medizinischen Aufmerksamkeit liegen, die potenziellen Spendern entgegen gebracht wird. Zum anderen dürften aber die strengen Einschlusskriterien eine Rolle spielen: Als Nierenspender kommen nur gesunde Menschen infrage.

Amit Garg vom Lawson Health Research Institute in London/Ontario hat sich bei seiner Fall-Kohortenstudie deshalb bemüht, für seine Kontrollgruppe nur Personen auszuwählen, die keine Erkrankung haben, die sie von einer Lebendspende ausschließen könnte.

Von 9,6 Millionen Einwohnern der Provinz Ontario wurden 8,2 Millionen ausgeschlossen. Aus den übrigen wurden jeweils zehn Kontrollen für jede der 2.028 Personen ausgewählt, die zwischen 1992 und 2002 in Ontario eine Niere gespendet haben. Dabei wurde darauf geachtet, dass sie das gleiche Alter und Geschlecht wie die Spender hatten. Die urbane oder ländliche Herkunft wurde ebenso berücksichtigt. Garg ließ außerdem die Krankenakten aller 2028 Nierenspender prüfen, um eine falsche Zuordnung zu vermeiden.

Das alles scheint einen „bias“ nicht restlos verhindert zu haben, denn in seiner Untersuchung war die Rate von Todesfällen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den Lebendspendern erneut geringer als in der Kontrollgruppe.

Bei einer Inzidenz von 2,8 versus 4,1 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre errechnet Garg eine Hazard Ratio von 0,66 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,48-0,90). Auch die isolierte Betrachtung der kardiovaskulären Morbidität ergibt ein tendenziell niedrigeres Risiko der Lebendspender: Hazard Ratio 0,85; 0,57-1,27) bei einer Inzidenz von 1,7 versus 2,0 Ereignissen pro 1.000 Personenjahren).

Eine Stärke der Studie war, dass sie sämtliche Lebendspender des kanadischen Bundesstaates berücksichtigte. Außerdem konnte Garg das Schicksal der meisten Lebendspender und Kontrollen über median 6,5 Jahre nachverfolgen. Nur 6 Prozent der Teilnehmer, die in einen anderen Staat gezogen waren, gingen für die Auswertung verloren. © rme/aerzteblatt.de

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