Vorerst keine Stellenstreichungen am Unikinikum Gießen/Marburg
Dienstag, 6. März 2012
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| dpa |
Wiesbaden – Die geplante Streichung von bis zu 500 Stellen
am privatisierten Uniklinikum Gießen und Marburg ist vorerst vom Tisch. Das
verkündeten Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wissenschaftsministerin
Eva Kühne-Hörmann (CDU) am Dienstag in Wiesbaden. Der Verzicht sei das sei
Ergebnis von Verhandlungen zwischen der Landesregierung und der
Geschäftsführung des Rhön-Konzerns, der die Kliniken 2006 übernommen hatte.
Bouffier sagte, er habe die Geschäftsführung am Vortag zu
einem „intensiven Gespräch“ gebeten, um die Verärgerung des Landes zum Ausdruck
zu bringen. Es könne nicht sein, dass die Regierung von geplanten Kürzungen aus
der Zeitung erfahre. Das Land hält fünf Prozent an den Kliniken und ist zudem
für die Universitäten zuständig, denen die Kliniken als Forschungs- und
Lehranstalten dienen.
Zwar obliege es der Rhön AG, die Geschäfte der Kliniken zu
führen. Dabei müsse aber sichergestellt sein, dass alle Sparschritte aus
ärztlicher und medizinischer Sicht vertretbar seien, und dass Forschung und
Lehre gewährleistet bleiben, sagte Bouffier. Sonst sei das „Erfolgsmodell“ der
Privatisierung in Gefahr.
Nun soll ein Mediator Gespräche zwischen Konzern, Land,
Universitäten und Beschäftigten leiten, um eine „vertrauensvolle
Gesprächsgrundlage“ wieder aufzubauen. Dazu müsse eine Persönlichkeit gefunden
werden, die das Vertrauen aller Seiten genieße, sagte Bouffier. Sinnvoll sei
jemand, der auch fachlich etwas beitragen könne, also ein Mediziner oder
Gesundheitsökonom. In den nächsten 14 Tagen sollen die Gespräche beginnen.
Wissenschaftsministerin Kühne-Hörmann sagte, ohne Beratung
der Ärzte und der Unileitungen sei kein Abbau von ärztlichen Stellen möglich.
Bouffier ergänzte, er gehe davon aus, dass der Rhön-Konzern verstanden habe,
dass „die Zahl 500 vom Tisch ist“ und dass „solche Situationen wie in der
vergangenen Woche künftig unterbleiben“, als die Kürzungspläne öffentlich
wurden, ohne dass das Land einbezogen war. Die Kommunikation zwischen Konzern
und Land sei dadurch „erheblich gestört“.
In ihrer Erklärung vom selben Tag betonte die
Rhön-Klinikum AG, der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Pföhler habe Bouffier
zugesagt, dass es bei der Patientenversorgung in Gießen und Marburg keine
Abstriche an der hochwertigen medizinischen Betreuung geben werde. Das
Unternehmen haben das Klinikum in den letzten Jahren gut aufgestellt und in
dreistelliger Millionenhöhe investiert. Zugleich sicherte er eine enge
Abstimmung mit allen Beteiligten über das weitere Vorgehen zu.
SPD und Grüne haben den geplanten Stellenabbau in Marburg und Gießen für
Mittwoch auf die Tagesordnung des Landtagsplenums gesetzt. Dass die Debatte mit
der Ankündigung Bouffiers überflüssig geworden wäre, glauben sie nicht. Die
Grünen fürchten, dass der Arbeitsplatzabbau nur verschoben, aber nicht
aufgehoben wurde. Selbst wenn die Zahl 500 vom Tisch sei, „wissen wir aber
nicht, ob dann vielleicht 488 Stellen abgebaut werden sollen", sagte die
Landesvorsitzende Kordula Schulz-Asche.
Der SPD-Abgeordnete Thomas Spies
verwies darauf, dass die Rhön AG im vergangenen Jahr über 15 Millionen Euro
Gewinn nach Steuern gemacht habe. Linken-Fraktionschefin Janine Wissler
forderte Mindeststandards für das Personal des Klinikums.
SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel sprach von
„Krokodilstränen der Landesregierung“. Die SPD und er selbst als Gießener
Abgeordneter hätten immer wieder davor gewarnt, dass nach der vereinbarten
Ausschlussfrist ein deutlicher Stellenabbau zu befürchten sei und zu den
drohenden Konsequenzen für den Wissenschaftsstandort Mittelhessen gewarnt. Im
Verkaufsvertrag zwischen Land und Rhön AG waren betriebsbedingte Kündigungen
bis 2010 ausgeschlossen worden.
© dapd/aerzteblatt.de
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