Politik

Hospiz Stiftung kritisiert Marketing von Sterbehilfe­organisationen

Dienstag, 13. März 2012

Berlin – Nach dem Suizid von Ex-Fußball-Bundesligastar Timo Konietzka hat die Deutsche Hospiz Stiftung die Geschäfte der Schweizer Sterbehilfeorganisationen Exit und Dignitas scharf kritisiert. Es sei „entsetzlich“, dass diese Organisationen „immer wieder versuchen, durch die Suizidbegleitung von Prominenten Öffentlichkeit für ihr Geschäftsmodell zu erlangen“, sagte der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation, Eugen Brysch, heute in Berlin. Die Konkurrenz zwischen den Anbietern von Sterbehilfe sei inzwischen unerträglich, es gebe eine Eskalation des Marketings.

Der 73-jährige Konietzka, der 1963 als Spieler für Borussia Dortmund das erste Tor der Bundesligageschichte erzielte, war gestern im Schweizerischen Brunnen durch einen tödlichen Gift-Cocktail der Sterbehilfeorganisation Exit aus dem Leben geschieden. Er hatte sich nach der Diagnose von unheilbarem Gallenkrebs dazu entschieden. In einem Abschiedsbrief, aus dem die Bild-Zeitung vom Dienstag zitiert, bedankte sich Konietzka bei Exit, die ihn von seinen Qualen erlöst und auf dem schweren Weg begleitet habe. Der frühere Profi-Sportler, seit 1988 Schweizer, unterstützte Exit als Botschafter.

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Brysch betonte, Selbstmord bleibe eine individuelle Entscheidung, über die sich niemand ein Urteil erlauben dürfe. Der Eindruck sei aber falsch, dass schwerstkranke Menschen nur in der Schweiz gut begleitet sterben könnten. Suizid könne nicht die Fortführung einer menschenwürdigen Sterbebegleitung sein. Es sei gut, dass sich die Regierungskoalition in Berlin jüngst darauf verständigt habe, Geschäfte mit Sterbehilfe zu verbieten, so Brysch.

In der Schweiz verzeichnen die Sterbehilfeorganisationen Dignitas und Exit wachsenden Zulauf, auch aus Deutschland. Im Nachbarland ist Beihilfe zur Selbsttötung erlaubt, sofern die Helfer keine eigennützigen Motive verfolgen. Nach Medienberichten begleitete Dignitas 2011 rund 35 Prozent mehr Menschen in den Freitod als 2010, nämlich 144. Nur fünf davon seien Schweizer gewesen. Auch bei „Exit“ nahmen die Zahlen zu. 2011 seien es mehr als 300 gewesen, gegenüber 257 im Jahr 2010. In Deutschland hat sich die schwarz-gelbe Koalition Anfang März darauf verständigt, die gewerbsmäßige Beihilfe zum Suizid so schnell wie möglich zu verbieten. © kna/aerzteblatt.de

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advokatus diaboli
am Mittwoch, 14. März 2012, 06:39

Eugen Brysch bleibt zur ethischen Reflexion aufgefordert!

Mit Verlaub - das Einzige, was "unerträglich" erscheint, ist die Unehrlichkeit in der Debatte um die Sterbehilfe. Dass hierzulande ein "Sterben in Würde" nicht gewünscht ist, dürfte hinreichend bekannt sein, auch wenn der überwiegende Teil in der Bevölkerung und im Übrigen namhafte Experten für eine Liberalisierung der Sterbehilfe plädieren. Die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung muss sich den Vorwurf gefallen lassen, dass sie mit ihrer neopaternalistischen Werthaltung den Sterbehilfetourismus befördert und insofern ist es mehr als zynisch, die liberalen Regelungen im Ausland zu geißeln.
Deutschland könnte gerade von den Schweitzern lernen. Dass die Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung den Eindruck gewonnen hat, als dass schwersterkrankte Menschen nur in der Schweiz gut begleitet sterben können, ist zwar bedauerlich, aber indes nicht von entscheidungserheblicher Bedeutung. Es gilt darum, dass wir hier in Deutschland endlich Tacheles reden und der Gesetzgeber sich seiner Verantwortung und damit Regelungsaufgabe stellt. Die "Botschaften" der Patientenschutzorganisation enthalten mehr Merkwürdigkeiten denn einen gebotenen Grundrechtsschutz auch für schwersterkrankte und sterbende Patienten.
Weder die Hospizbewegung noch die Palliativmedizin bedürfen der Klerikalisierung. Es gibt keinen Widerspruch zwischen ihnen und der Sterbehilfe und dies sollte auch eine Patientschutzorganisation erkennen!

In diesem Sinne könnte der Deutschen Hospiz Stiftung angeraten sein, ihr "Marketing" zu überdenken und mit Aussagen aufzuwarten, die an dem Bekenntnis zum Selbstbestimmungsrecht keinen Zweifel aufkommen lassen. Schwersterkrankte sterben nicht nach der "Regie" und der Erwartungshaltung einer Patientenschutzorganisationen. Punkt um!

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