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Bewusstsein für Mangelernährung von Senioren noch zu gering

Donnerstag, 15. März 2012

Erlangen/Nürnberg – Angehende Pfleger und Mediziner sollten nach Ansicht der Wissenschaftlerin Dorothee Volkert mehr über die Ernährung von Senioren lernen. Insbesondere Hausärzte seien oftmals noch nicht ausreichend sensibilisiert, um eine mögliche Mangelernährung bei älteren Patienten frühzeitig zu erkennen, sagte Volkert vom Institut für Biomedizin des Alterns der Universität Erlangen-Nürnberg.

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„Insgesamt ist das Bewusstsein für die Ernährungsprobleme noch viel zu gering“, kritisierte die Expertin. Deshalb müsse schon bei der Ausbildung von Pflegern und Ärzten ein stärkerer Fokus auf die Ernährungslehre gelegt werden.

Mangelernährung bei älteren Menschen ist ein großes Problem. Im vergangenen Jahr zählte die Krankenkasse DAK fast 21.500 Klinikbehandlungen wegen Ernährungsdefiziten – etwa 4.400 mehr als im Vorjahr. Im Schnitt waren die Betroffenen 70 Jahre alt.

Regelmäßig Körpergewicht kontrollieren
Volkert plädierte zudem dafür, mehr im Bereich der Prävention zu tun. Beispielsweise sollten Hausärzte regelmäßig das Körpergewicht von älteren Patienten kontrollieren. Senioren müssten mindestens alle vier Wochen gewogen werden.

Bei älteren Patienten müsse sehr schnell reagiert werden, wenn sie untergewichtig seien. „Im Alter hat ein Gewichtsverlust schnell gravierende Folgen“, sagte Volkert. Besonders bei bettlägerigen Patienten gehe sehr schnell Muskelmasse verloren. „Wenn gleichzeitig nichts gegessen wird, verstärkt das diesen Abbauprozess. Das geht im Alter wesentlich schneller, als bei jüngeren Menschen“, erklärte sie.

Zwar wisse das Fachpersonal gerade auch in Pflegeheimen inzwischen besser über mögliche Ernährungsprobleme von älteren Menschen Bescheid. Dennoch gebe es noch großen Nachholbedarf bei der Verbesserung der Ernährung von Heimbewohnern. Eine Schwierigkeit sei etwa, dass Pfleger oft nicht genügend Zeit hätten, die Bewohner angemessen zu betreuen, da sie sich um mehrere Menschen gleichzeitig kümmern müssten.


Pflegebedürftige müssen angemessen unterstützt werden
„Pflegeheimbewohner beim Essen zu versorgen, ist häufig eine Eins zu Eins Betreuung“, sagte Volkert. „Die Pflege muss geschult sein und darauf achten, dass die Personen mit dem Essen auch zurecht kommen oder die entsprechende Hilfe bekommen.“ Insbesondere Menschen, die körperlich eingeschränkt seien oder unter Demenz litten, bräuchten beim Essen häufig Unterstützung.

Die Expertin kritisierte, Deutschland sei nicht ausreichend darauf vorbereitet, dass die Bevölkerung immer älter werde. „Grundsätzlich weiß man schon seit vielen Jahren, wie die demografische Entwicklung insgesamt aussieht“, sagte sie. „Ich glaube, in allen Bereichen passiert noch viel zu wenig, um dem wirklich in vollem Umfang gerecht zu werden.“
Dorothee Volkert gehört dem wissenschaftlichen Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) an. Sie war unter anderem an der Erstellung des 2009 erschienenen Qualitätsstandards der DGE für die Verpflegung in stationären Senioreneinrichtungen beteiligt. © dapd/aerzteblatt.de

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