Retinopathie als Marker für kognitiven Abbau
Freitag, 16. März 2012
San Francisco – Die Retinopathie, eine häufig durch Diabetes
oder Hypertonie verursachte Netzhauterkrankung, kann ein Warnzeichen für einen
kognitiven Abbau im Alter sein. Dies geht aus einer prospektiven
Beobachtungsstudie in Neurology (2012, doi: 10.1212/WNL.0b013e31824d9655)
hervor.
Die Retina ist der einzige Ort des menschlichen Körpers, an
dem arterielle Blutgefäße von außen einsehbar sind, und eine Retinopathie weist
häufig auf Erkrankungen anderer Organe hin. Laut der Untersuchung von Mary Haan
von der Universität von Kalifornien in San Francisco muss auch das Gehirn dazu
gezählt werden.
Die Epidemiologin hat die Daten aus zwei Begleitstudien der
Women’s Health Initiative ausgewertet. Diese hatten bei einer Gruppe von 511
älteren Frauen über 10 Jahre jährlich die kognitive Leistung mit der
Mini-Mental State Examination (MMSE) überprüft. Im vierten Jahr wurde eine
Augenuntersuchung und im achten Jahr eine Kernspintomographie des Schädels
durchgeführt.
Wie Haan berichtet, wurde bei den Frauen mit dem stärksten
Abfall im MMSE häufiger eine Retinopathie gefunden, die wiederum mit dem
vermehrten Nachweis von ischämischen Läsionen im Gehirn assoziiert waren. Bei
den ischämischen Läsionen handelte es sich nicht um eigentliche Schlaganfälle,
sondern um Hyperintensitäten und lakunäre Infarkte.
Diese weisen eher auf eine Schädigung der kleinen Blutgefäße
hin, wie sie auch in der Retina zu beobachten sind. Frauen mit einer
Retinopathie hatten zu 47 Prozent mehr Läsionen, im Parietallappen waren diese
sogar zu 68 Prozent größer. Es handelte sich allerdings um leichtere Schäden,
eine vermehrte Hirnatrophie war nicht nachzuweisen. Dennoch könnten die
Veränderungen nach Ansicht von Haan den Rückgang der kognitiven Leistungen
biologisch plausibel erklären. © rme/aerzteblatt.de
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