Vermischtes

Ältere Frauen erhalten häufig ungeeignete Arzneimittel

Freitag, 23. März 2012

Berlin – Ein Viertel der über 65-jährigen Patienten nimmt potenziell gefährliche Arzneimittel ein. Darauf hat das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) hingewiesen. Vor allem ältere Frauen in westlichen Bundesländern erhalten demnach häufig Medikamente, auf die laut Priscus-Liste im Alter möglichst verzichtet werden sollte. Die Priscus-Liste führt Wirkstoffe auf, für die das Nutzen-Risiko-Verhältnis bei älteren Menschen als ungünstig bewertet wird.

„Im Vergleich der Bundesländer erhalten Patienten in den alten Bundesländern deutlich häufiger Wirkstoffe, die auf der Priscus-Liste stehen“, verwies WIdO-Arzneimittelexperte Gisbert Selke. Die höchsten Patientenanteile gibt es in Rheinland-Pfalz (27,4 Prozent) und dem Saarland (27,1 Prozent). Dagegen verordnen Ärzte in den neuen Bundesländern deutlich zurückhaltender Wirkstoffe der Priscus-Liste. Mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern liegt der Anteil der AOK-Patienten über 65 Jahren, die noch mindestens einen Wirkstoff aus der Priscus-Liste erhalten, bei etwa 20,7 Prozent.

Anzeige

Dem WIdO zufolge verordnen neben Hausärzten, Internisten und Nervenärzten auch Urologen häufig die potenziell gefährlichen Wirkstoffe. Während Nervenärzte etwa jedem zweiten ihrer Patienten (49 Prozent) über 65 Jahren einen der betroffenen Wirkstoffe verschreiben, waren es bei den Hausärzten nur 29 Prozent.

Unter den am häufigsten verordneten Wirkstoffen der Priscus-Liste befanden sich vor allem psychogene Substanzen wie Schmerzmittel und Antidepressiva sowie Mittel zur Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Der mit mehr als 22 Millionen Tagesdosen am häufigsten verordnete Wirkstoff war im vergangenen Jahr das Bluthochdruckmittel Doxazosin. Knapp 20 Millionen Tagesdosen wurden vom Antidepressivum Amitriptylin verordnet. Auf Platz drei der am meisten verordneten Priscus-Wirkstoffe steht Etoricoxib, von dem mehr als 13,4 Millionen Tagesdosen abgegeben wurden.  hil © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

MMeisel
am Donnerstag, 29. März 2012, 15:37

An die eigene Nase fassen!

Es ist wirklich löblich vom "Wissenschaftlichen Institut der AOK", sich dieser wichtigen Frage anzunehmen. Es wäre schön, wenn das Institut auch erklärt, wie unsere niedergelassenen Kollegen unter Einhaltung der geforderten Generika-Anteile (lt. Arzneimittelvereinbarung 2012 Sachsen-Anhalt für Hausärzte 92,73 %) auf die Medikamente der Priscus-Liste verzichten sollen. Beispielsweise werden in den Veröffentlichungen Trizyklika als zu bevorzugende Antidepressiva oder unspezifische Anticholinergika als Inkontinenzmittel gefordert. Also liebe Kollegen, einfach die Therapie weglassen! Die AOK erklärt den Patienten dann, warum ihre Krankheit nicht behandelt wird.
1.000 News Vermischtes

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige