Familienministerin will Betreuungsgeld an Arztbesuche knüpfen
Montag, 16. April 2012
Kristina Schröder /dapd
Berlin – Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) will die Auszahlung des umstrittenen Betreuungsgeldes offenbar daran knüpfen, ob Eltern die Vorsorgetermine beim Kinderarzt regelmäßig wahrnehmen. Das berichtet die Zeitung „Die Welt“ heute. „Denn wenn Eltern ihre Kinder nicht in die Pflichtuntersuchung geben, ist das oft ein Indikator für problematische Verhältnisse“, so Schröder.
Das Betreuungsgeld in Höhe von 150 Euro pro Monat sollen Eltern erhalten, die ihre ein- oder zweijährigen Kinder nicht in eine Kinderkrippe geben.
Diesen Vorschlag weist der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) „auf das Entschiedenste zurück“. „Die Vorsorgen sind nicht darauf ausgerichtet zu erkennen, ob Eltern ihre Kinder ausreichend fördern“, sagte der Präsident des BVKJ, Wolfram Hartmann. Kinder- und Jugendärzte seien keine Experten für frühkindliche Pädagogik. „Erziehungsüberwachung im staatlichen Auftrag lehnen wir ab. Wir sind die Vertrauten und Partner der Eltern und helfen ihnen, ihre Kinder gesund großzuziehen“, so Hartmann.
Die Kinderärzte in Deutschland stellen das gesamte Konzept des Betreuungsgeldes infrage. „Zahlreiche Studien belegen, dass eine frühzeitige Förderung in gut ausgestatteten Kitas die soziale und intellektuelle Entwicklung der Kinder fördert“, so Hartmann. Insbesondere Kinder aus sozial schwachen und bildungsfernen Familien profitierten von einer solchen sozialkompensatorischen Förderung. „Daher lehnen wir das Betreuungsgeld in der geplanten Form ab und fordern stattdessen den Ausbau des gesamten Frühfördersystems“, betonte Hartmann. © hil/aerzteblatt.de
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