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Prostatakarzinom: „Lumpektomie“ per Ultraschall

Dienstag, 17. April 2012

London – Die Erwärmung des Gewebes durch hochfrequente Ultraschallwellen kann genutzt werden, um Tumoren gezielt zu zerstören. In einer offenen Studie in Lancet Oncology (2012; doi: 10.1016/S1470-2045(12)70121-3) wurde die Therapie erfolgreich zur Behandlung des Prostatakarzinoms eingesetzt, wobei nur Abschnitte des Organs behandelt wurden. Der britische Medical Research Council vergleicht die Therapie mit der Lumpektomie beim Mammakarzinom.

Bei der Lumpektomie ist der operative Eingriff auf den Tumor und seine unmittelbare Umgebung beschränkt. Die Form der weiblichen Brust bleibt nach der Operation weitgehend erhalten. In ähnlicher Weise haben Hashim Ahmed von den University College London Hospitals und Mitarbeiter die Therapie des Prostatakarzinoms auf die vom Krebs befallenen Abschnitte des Organs beschränkt.

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Sie führten ihre Therapie allerdings nicht mit dem Skalpell, sondern mit hochintensiven fokussierten Ultraschallwellen (high-intensity focused ultrasound, HIFU) durch. Den Medizinern stand dabei ein Gerät zur Verfügung, das die Gewebezerstörung auf den Bereich von der Größe eines Reiskorns beschränken kann.

Zuvor hatten Ahmed die Tumoren ihrer Patienten mittels Kernspintomographie und Biopsien lokalisiert. Wie bei der Lumpektomie bleibt der größere Teil des Organs erhalten und funktionsfähig. Während bei der Lumpektomie ästhetische Gründe eine Rolle spielen, geht es bei der HIFU der Prostata um den Erhalt der Harnkontinenz und der Potenz. Denn nach einer konventionellen Therapie, der radikalen Prostatektomie oder der Strahlentherapie kommt es bei jedem zweiten Patienten zu Inkontinenzen und/oder erektilen Dysfunktionen, nicht wenige leiden an beiden Störungen.

Die HIFU soll diese Probleme vermeiden. Die Ergebnisse der ersten Proof-of-Concept-Studie zeigen tatsächlich, dass ein Jahr nach der HIFU keiner der 41 Männer unter einer Harninkontinenz litt. Von den 35 Männern im Alter von 45 bis 80 Jahren, die vor der Therapie zum penetrativen Sex in der Lage waren, hatten nur 4 diese Fähigkeit eingebüßt.

Auch wenn die Studie keine Vergleichsgruppe mit Standardtherapie hatte, ist für Ahmed erwiesen, dass die Therapie schonender ist als Operation oder Strahlentherapie. Hinzu kommt, dass die Behandlung keinen längeren Krankenhausaufenthalt erfordert. Er habe die Klinik am Tag nach der HIFU wieder verlassen, wird ein Patienten zitiert.

Dass die Therapie auch eine kurative Wirkung erzielt, dürfte bezweifelt werden. Zwar waren 30 von 39 Patienten, alle mit lokalisierten Tumoren (Stadium ≤T2, PSA ≤15 ng/ml) von geringer Malignität (Gleason-Score ≤4) bei einer Kontrollbiopsie nach 6 Monaten ohne Tumornachweis, und in der Kernspintomografie wurde bei 39 von 41 Patienten nach 12 Monaten keine Tumorausdehnung gefunden. Eine Garantie gegen spätere Rezidive dürfte dies allerdings nicht sein.

Anders als die Lumpektomie beim Mammakarzinom, die eine Heilung anstrebt und dies in Kombination mit adjuvanter Chemotherapie und Bestrahlung in der Regel auch erreicht, dürfte die HIFU ein „palliativer“ Ansatz bleiben für Patienten, denen aufgrund des hohen Alters und der geringen Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors nicht mehr zu einem kurativen Versuch geraten werden kann. © rme/aerzteblatt.de

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