Ausland

Zeitung: Kirche gab Auftrag zu Kastration homosexueller Jungen

Mittwoch, 18. April 2012

Amsterdam – Berichten der Zeitung NRC Handelsblad zufolge hat die katholische Kirche der Niederlande in den 50er und 60er Jahren Chirurgen mit der Kastration homo­sexueller Jungen und Männer beauftragt. Dies hätten Wissenschaftler am Mittwoch bei einer Anhörung im niederländischen Parlament bestätigt, berichtet das Blatt.

Ein Professor für Medizingeschichte erklärte demnach, zwei katholische Chirurgen hätten ihm persönlich bestätigt, von einem Bischof mit Kastrationen beauftragt worden zu sein. Ein weiterer Wissenschaftler gab dem Bericht zufolge an, Priester, die als Beichtväter tätig gewesen seien, hätten homosexuelle Jungen anschließend direkt zu einem Chirurgen geschickt. Um wie viele Fälle es sich handeln soll, wird nicht berichtet.

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Das Parlament hatte die Anhörung angeordnet, nachdem die Zeitung bereits im März über angebliche Kastrationen in katholischen Einrichtungen berichtet hatte. Das Blatt berief sich damals auf Aussagen von Opfern, ärztliche Berichte, Briefe und Anwaltsdokumente. Bekanntgeworden war der Fall eines Jungen, der in einer psychiatrischen Klinik untergebracht und dort kastriert worden sein soll, nachdem er sich gegen Missbrauch in einem katholischen Internat gewehrt habe.

Dem Zeitungsbericht zufolge erwägt das niederländische Parlament nun eine Untersuchung darüber, welche Rolle psychiatrische Einrichtungen bei der Kastration von Jungen und Männern gespielt haben. Auch die Rolle der Justiz müsse untersucht werden.

Die Wissenschaftler forderten die Abgeordneten auf, jenen, die mit der Untersuchung der Fälle betraut würden, „politische Deckung" zu geben. Andernfalls sei nicht sicher, dass sie Zugang zu den Archiven erhielten. Erst am Montag waren in Justizarchiven auf Betreiben der Staatsanwaltschaft bislang unbekannte, verlegte Akten über sexuellen Missbrauch durch Geistliche in den 50er und 60er Jahren wieder aufgetaucht. © kna/aerzteblatt.de

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borgmann4
am Mittwoch, 18. April 2012, 20:44

Große Chance nutzen...

Dahinter steckt noch viel mehr.
Das Ganze geschah unter dem Protege des späteren Ministerpräsidenten Victor Marijnen http://m.faz.net/aktuell/feuilleton/missbrauchsskandal-in-den-niederlanden-dass-sie-mich-wieder-zu-packen-kriegen-11715604.html

Den Niederländern, aber uns allen auch, eröffnet sich eine riesige Chance, Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufzuarbeiten und damit auch etwas gegen die organisierte sexualisierte Misshandlung und Folterung von Kindern zu tun, die heutzutage geschieht.

Es kann sein, dass auch Fälle von Kinderhandel in Deutschland aufgeklärt werden und Neues über den "Dutroux-Skandal", der eigentlich "Politiker-und-Kirchen-Skandal" heißen sollte herauskommt, wenn es den Niederländern gelingt, konsequent und unbehindert aufzuklären.

Wir wären alle echter Zivilisation wieder ein Stück näher gekommen.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, Betroffene sexualisierter Misshandlung in der Kindheit
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