Medizin

Stammzellen heilen Nachtblindheit bei Mäusen

Donnerstag, 19. April 2012

London – Die Transplantation von Vorläuferzellen der Stäbchen, die für die Nachtsicht verantwortlich sind, kann bei Mäusen das skotopische Sehen wieder herstellen. Britische Forscher zeigen in Nature (2012; doi: 10.1038/nature10997), dass die Stammzellen erfolgreich in das Netzwerk der Retina integriert werden. Eine Anwendung beim Menschen ist noch nicht in Sicht.

Der Untergang der Sinneszellen in der Retina ist für die Erblindung bei altersbedingter Makuladegeneration, Retinitis pigmentosa und der diabetischen Retinopathie verantwortlich. Ein Ersatz schien lange Zeit illusorisch, da die Stäbchen (für das skotopische oder Nachtsehen) und die Zapfen (für das photopische oder Farbsehen) hochspezialisierte Zellen sind, die zudem noch fest in ein Netzwerk der inneren und äußeren Körnerschicht integriert sind.

Anzeige

Die Nervensignale werden erst nach mehreren Schaltungen auf die Ausläufer des Sehnerven übertragen. Transplantierte Zellen müssten sich selbstständig den Weg zu der passenden Stelle im Netzwerk suchen und dort mit geeigneten Zellen breitbasierte Synapsen ausbilden.

Vor einigen Jahren konnten indes Forscher des University College London zeigen, dass eine Transplantation mit Vorläuferzellen von Stäbchen im Prinzip erfolgreich ist (Nature 2006; 444: 203-207). Die „Ausbeute“ war jedoch gering. Inzwischen hat das Team um Robin Ali vom University College London die Technik soweit perfektioniert, dass Mäuse nach der Transplantation wenigstens teilweise die Fähigkeit zur Nachtsichtigkeit entwickelten.

Die gentechnischen Tiere waren nachtblind, da ihnen das Gen für alpha Transducin fehlt, ein für die Funktion essenzieller Bestandteil der Stäbchen – nicht aber der Zapfen. Die Tiere verfügten also über eine Farbsichtigkeit, in einer Labyrinthaufgabe unter Nachtsicht machten sie jedoch vermehrt Fehler. Nach der Transplantation verbesserten sich die Testergebnisse – und zwar in Abhängigkeit von der Zahl der integrierten Vorläuferzellen.

Der britische Medical Research Council, der die Studie gesponsert hat, wertet die Ergebnisse als Meilenstein hin zu einer Stammzelltherapie von degenerativen Retinaerkrankungen beim Menschen. Die Forscher wollen im nächsten Schritt die Experimente an Versuchstieren mit embryonalen Stammzellen wiederholen. Erst danach kämen klinische Studien beim Menschen infrage, heißt es seitens des University College London. Ob die Therapie auch mit Zapfen funktionieren würde, ist unklar. © rme/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

1.000 News Medizin

Nachrichten zum Thema

22.01.16
London – Ein Bluttest auf Genmutationen, die bei der akuten myeloischen Leukämie (AML) häufig der erste Hinweis auf ein bevorstehendes Rezidiv ist, kann bei einer häufigen Untergruppe der Erkrankung......
10.01.16
Hamburg – Die Entwicklung einer chronischen Graft-versus-host-Krankheit (GvHD), eine gefürchtete Komplikation nach einer hämatopoetischen Stammzelltherapie der akuten Leukämie, kann häufig vermieden......
07.12.15
Regenburg – Eine Gütesiegel nach den europaweit gültigen sogenannten JACIE-Richtlinien hat das pädiatrische Stammzelltransplantationsprogramm der Kinder-Universitätsklinik Ostbayern (KUNO) am Standort......
12.11.15
Mainz – Eine weitere Funktion des Blutgerinnungssystems neben der Hämostase haben Wissenschaftler der Universitätsmedizin Mainz entdeckt: Es unterstützt blutbildende Stammzellen im Umfeld des......
14.10.15
Stanford – Der Erfolg einer hämatopoetischen Stammzelltherapie könnte davon abhängen, ob der Spender bei der Entnahme seiner Stammzellen ausgeschlafen ist. Darauf deuten tierexperimentelle Studien in......
15.07.15
Stammzellen bilden im Labor schlagendes Mikro-Herz
Berkeley – US-Forscher haben menschliche Stammzellen im Labor dazu gebracht, sich in Herzmuskelzellen zu differenzieren und kleine schlagende „Mikrokammern“ zu bilden, die laut der Publikation in......
02.07.15
Tübingen – Auf die 50.000ste Stammzellspende für einen dem Spender unbekannten Leukämiepatienten hat die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) hingewiesen. „50.000 vermittelte Stammzelltransplantate......

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige