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Integrin: Gendefekt schädigt Haut, Nieren und Lungen

Donnerstag, 19. April 2012

Freiburg – Wenn Epithelien den Kontakt zur darunter liegenden Basalmembran verlieren, hat dies gravierende Auswirkungen auf den Organismus. Ein internationales Forscherteam beschreibt im New England Journal of Medicine (2012; 366: 1508-1514) eine neue entdeckte Erkrankung von Haut, Nieren und Lungen, die auf Mutationen im Protein Integrin alpha 3 zurückgeführt werden konnte.

Der Junge, über den Privatdozentin Cristina Has von der Universität Freiburg zusammen mit Forschern aus England, den USA und Israel berichtet, entwickelte bereits an den ersten Lebenstagen eine schwere Atemnot. Er musste mit Sauerstoff beatmet werden. Am 13. Lebenstag kam ein nephrotisches Syndrom hinzu, die Biopsie zeigte eine Kombination aus Glomerulosklerose und interstitieller Fibrose, die keine Erholung erwarten ließ.

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Im zweiten Lebensmonat bildeten sich dann an einigen Stellen der Haut Blasen. Die Dermatose war zwar relativ milde ausgeprägt, sie brachte die Wissenschaftler aber auf die richtige Spur. Denn die Epidermolysis bullosa ist häufig genetisch bedingt, und die Ursache sind Defekte in Genen, die für die Integrität der Haut erforderlich sind. Dazu gehören Keratine, Kollagene und Integrine. Mit Hilfe von Antikörpern fanden die Forscher heraus, dass eines der Integrine, das Integrin alpha 3, fehlte.

Die Sequenzierung des Gens führte dann zur Entdeckung de Ursache. Der Junge hatte den Gendefekt auf beiden homologen Chromosomen, er war homozygot auf das Merkmal. Die Eltern waren beide heterozygot und erscheinungsfrei. Die Erkrankung wird also autosomal-rezessiv übertragen.

Dass sie kein Einzelfall ist, zeigte die Untersuchung von acht weiteren Kindern mit einem kongenitalen nephrotischen Syndrom. Bei zweien wurden ebenfalls (andere) Defekte im Integrin alpha 3-Gen gefunden. Beide Patienten hatten blutsverwandte Eltern (was die Risiken der Konsanguinität unterstreicht). Beide Mädchen hatten Defekte in Haut, Nieren und Lungen, und beide starben früh im Alter von 2 und 19 Monaten an einem Multiorganversagen.

Alle drei Patienten waren möglicherweise Maximalvarianten einer häufigeren Erkrankung. Die Forscher wollen deshalb in Zukunft in interdisziplinärer Zusammenarbeit mit Hautärzten, Kinderärzten und Internisten nach weiteren Patienten mit Integrin alpha-3 Gendefekten suchen. © rme/aerzteblatt.de

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