Medizin

Was die Lebenszufriedenheit im Alter bestimmt

Freitag, 20. April 2012

Hamburg – Welche Faktoren die emo­tionale Gesundheit im Alter beein­flussen und möglicherweise vor Alters­depressionen schützen können, haben Forscher des Universitäts­klinikums Ham­burg-Eppendorf untersucht. Die Ergeb­nisse sind gestern unter dem Titel „Don’t look back in anger“ in der Fach­zeitschrift Science erschienen (DOI: 10.1126/science.1217516).

Bislang war ungeklärt, ob es eine neurobiologische Grundlage dafür gibt, warum manche Menschen gelassen reagieren und somit zufriedener altern als andere. Die Forschergruppe um Stefanie Brassen vom Institut für Systemische Neurowissenschaften ist dieser Frage in ihrer Studie nachgegangen.

Anzeige

In der Versuchsanordnung spielten emotional gesunde junge und ältere Probanden sowie Patienten mit Altersdepression mehrere Durchgänge eines Glücksspiels. Bei diesem erhöht sich mit zunehmenden Risikoverhalten zwar der Gewinn, jedoch auch die Wahrscheinlichkeit zu verlieren. Mithilfe funktioneller Kernspintomographie konnten die Wissenschaftler Aktivitätsveränderungen im Gehirn der Probanden während des Spiels messen.

Entscheidend war, dass den Probanden nach einem Gewinn mitgeteilt wurde, wie viel mehr sie hätten gewinnen können, wenn sie in diesem Durchgang des Spiels mehr riskiert hätten. Danach war bei jungen Probanden und älteren depressiven Patienten auf den Bildern des Kernspintomographen zu sehen, dass das neuronale Belohnungssystem im ventralen Striatum nach dem Gewinn so wenig aktiv war, als wenn sie verloren hätten – sie ärgerten sich offenbar über die verpasste Chance.

Gesunde ältere Menschen reagierten dagegen auf Gewinndurchgänge immer mit einem Signalanstieg, unabhängig davon, ob sie noch viel mehr hätten gewinnen können oder nicht. Nur ein wirklicher Verlust führte zu einem Signalabfall.

Bereits in einer früheren Studie konnten die UKE-Forscher zeigen, dass das Frontalhirn wahrscheinlich reguliert, ob sich Menschen eher auf die positiven Aspekte des Alterns fokussieren. Das gleiche frontale Areal, der sogenannte rostrale Teil des anterioren Cingulums, war auch in der aktuellen Studie bei gesunden Älteren immer dann aktiv, wenn sie mit einer verpassten Chance konfrontiert waren. In einer unabhängigen Studie konnten die Befunde bei älteren Menschen bestätigt und mit Daten zur autonomen Reaktion gestützt werden.

„Ein gelassener Umgang mit Chancen, die man im Laufe seines Lebens verpasst hat, spielt eine entscheidende Rolle für die Lebenszufriedenheit im Alter“, folgerten die Forscher. Künftige Studien müssten nun prüfen, wie eine solche Adaptation beispiels­weise durch verhaltenstherapeutische Maßnahmen frühzeitig zu fördern sei. © hil/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

5.000 News Medizin

Fachgebiet

Themen suchen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Y
Z
Suchen

Weitere...

Login

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Anzeige