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Hepatitis C: Heilung auch ohne Interferon möglich

Freitag, 20. April 2012

Baltimore – Die Therapie der Hepatitis C könnte künftig ohne Interferon auskommen, und sie könnte bei einer verkürzten Therapiedauer bessere Ergebnisse erzielen. Dies zeigen neueste Studienergebnisse, die auf dem International Liver Congress 2012 in Barcelona vorgestellt wurden. Besonders gute Ergebnisse erzielte eine Kombination aus zwei oral verfügbaren Wirkstoffen, unter der alle Patienten mit dem in Europa verbreiteten Genotyp 1 schon nach 24 Wochen dauerhaft virusfrei waren.

Der Standard in der Therapie der Hepatitis C war lange Zeit die Kombination aus pegyliertem Interferon plus Ribavirin. Die Therapie musste oft über ein Jahr oder länger durchgeführt werden und erzielte doch nur bei der Hälfte der Patienten eine über das Ende der Therapie andauernde Virussuppression (sustained virological response, SVR).

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Mit den beiden im letzten Jahr eingeführten Mitteln Victrelis (Wirkstoff: Boceprevir) und Incivo (Wirkstoff: Telaprevir) stieg die SVR-Rate auf 60 bis 80 Prozent. Boceprevir und Telaprevir sind die ersten Wirkstoffe, die direkt in die Replikation des Hepatitis-C-Virus eingreifen (DAA, directly acting antivirals). Weitere DAA befinden sich in der klinischen Prüfung, und die Hepatologen rechnen fest damit, dass sie die „Heilungsrate“ (SVR) weiter erhöhen werden.

Zu den viel versprechenden Kandidaten zählt PSI-7977, der die sogenannte NS5B-Polymerase des Hepatitis C-Virus inhibiert. PSI-7977 gehörte zu den Gründen, warum der kalifornische Hersteller Gilead im November letzten Jahres für 11 Milliarden US-Dollar den Konkurrenten Pharmasset übernahm. GS-7977 (wie PSI-7977 inzwischen genannt wird) erzielte in den ersten klinischen Studien überragende Ergebnisse.

In der AI444040-Studie waren 88 therapie-naive Patienten auf drei Arme randomisiert worden. Im ersten Arm erhielten sie zunächst für sieben Tage nur GS-7977, es folgte über weiter 23 Wochen die Kombination aus GS-7977 plus Daclatasvir. In der zweiten Gruppe wurden beide Medikamente über den gesamten Zeitraum von 24 Wochen kombiniert. Im dritten Arm wurde Ribavirin als dritte Substanz hinzugefügt.

Eine solche Dreierkombination scheint nach den jetzt vorliegenden Zwischenergebnissen jedoch nicht notwendig zu sein. Wie die Gruppe um Mark Sulkowski von der Johns Hopkins University School of Medicine in Baltimore mitteilte, wurden alle 29 Patienten mit Genotyp 1 bereits unter der Zweierkombination mit GS-7977 plus Daclatasvir virusfrei, und sie waren es auch noch vier Wochen nach dem Ende der Therapie. Beim Virustyp 2 oder 3 wurden 91 Prozent virusfrei.

Damit ist das Kriterium der SVR zwar noch nicht erfüllt. Es fordert eine Virusfreiheit über 12 Wochen nach dem Ende der Therapie. Es scheint aber, dass die Zweierkombination, die sich in einer einzigen Tablette zur einmal täglichen Einnahme kombinieren ließe, die Ergebnisse der derzeitigen Standardtherapie übertrifft. Die Verträglichkeit scheint gut zu sein, auch wenn viele Patienten über Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Nausea leiden. Die Aussicht die Strapazen der Therapie nur 24 Wochen, statt ein ganzes Jahr ertragen zu müssen und die zu erwartende Heilung könnten die Motivation, die Therapie durchzuhalten, jedoch steigern.

Der nächste Schritt wäre eine Phase-III-Studie mit den beiden Medikamenten. Doch daran scheint Gilead nicht interessiert zu sein. Der Partnerwirkstoff Daclatasvir wird nämlich vom Konkurrenten Bristol-Myers Squibb hergestellt, der ebenfalls an der Behandlung der Hepatitis C verdienen will. Gilead setzt deshalb auf eine Kombination mit dem älteren Virustatikum Ribavirin, das als Generikum kostengünstig verfügbar ist. Die Kombination scheint jedoch nicht ganz so wirksam zu sein. In der ELECTRON-Studie wurden nur 22 von 25 Patienten nach 12 Wochen virusfrei. In der QUANTUM-Studie waren es nur 10 von 17 Patienten.

Ob unter diesen Ergebnissen nicht doch eine Kombination von GS-7977 plus Daclatasvir sinnvoller wäre, dürfte jetzt Gegenstand von Diskussionen sein. Allzu lange werden die Hersteller mit den Verhandlungen nicht zögern, da andere Firmen wie Abbott ebenfalls aussichtsreiche Wirkstoffe in der klinischen Prüfung haben. Für die Patienten mit Hepatitis C könnten sich die Aussichten auf eine Heilung verbessern. Auf die Kostenträger dürften erhebliche Mehrkosten zukommen. Die Behandlungskosten dürften im Bereich von mehreren 10.000 Euro pro Patienten liegen. © rme/aerzteblatt.de

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