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EMA lässt umstrittenes Diabetesmedikament zu

Freitag, 20. April 2012

London – Typ-2-Diabetiker in Europa können künftig mit einem Medikament behandelt werden, dass den „überschüssigen“ Blutzucker gewissermaßen über die Nieren abfließen lässt. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA stimmte der Zulassung von Forxiga (Wirkstoff: Dapagliflozin) zu, obwohl es in den klinischen Studien zu einer erhöhten Rate von Blasen- und Brustkrebs gekommen war.

Dapagliflozin hemmt den Natrium-Glukose-Cotransporter 2 (SGLT2), der in den Nieren­tubuli Glukose resorbiert. Das Medikament senkt die Nierenschwelle. Es kommt zu einer kontrollierten Glukosurie. In den klinischen Studien sank der HbA1c-Wert um mehr als 0,5 Prozentpunkte (solange die Nieren gesund waren). Anders als bei vielen anderen Diabetesmedikamenten und Insulin kommt es bei den zumeist adipösen Typ-2-Diabetikern zu einer Gewichtsabnahme.

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Der süße Harn kann allerdings Krankheitserreger als Nährstoff dienen, und in den klinischen Studien war die Zahl der Harnwegs- und bei Frauen auch der genitalen Infektionen erhöht. Die Sicherheitsbedenken betreffen allerdings die erhöhte Rate von Blasenkrebs (Inzidenz 0,16 versus 0,03 Prozent in den Studien) und Brustkrebs (0,40 versus 0,22 Prozent).

Die Ursache ist unklar. Tierexperimente hatten keinen Hinweis auf eine Genotoxizität oder eine Karzinogenität von Dapagliflozin ergeben. Dennoch rieten die externen Gutachter der FDA im Juli 2011 mit 9 zu 6 Stimmen von der Zulassung ab. Forxiga ist bisher in den USA nicht auf dem Markt.

Angesichts der steigenden Zahl von Diabetikern und den oft unbefriedigenden Therapie­ergebnissen stuft der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA die Vorteile des Wirkstoffs höher ein als die Risiken, die in den Fachinformationen erwähnt werden und die Gegenstand eines Risikomanagementplans sein werden. Die Warnhinweise betreffen auch die bisher geringe Erfahrung bei Patienten über 75 Jahren.

Ein weiteres Risiko könnte sich durch den Volumenverlust (infolge der osmotischen Wirkung der Glukosurie) ergeben. Blutdruckabfälle und Elektrolytstörungen gehören zu den möglichen Komplikationen, die bei der Therapie bedacht werden müssen. Forxiga darf nur in Kombination mit Metformin eingesetzt werden oder wenn die Patienten das orale Antidiabetikum der ersten Wahl nicht vertragen. © rme/aerzteblatt.de

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