Medizin

Warum Aspirin und Metformin vor Krebs schützen

Freitag, 20. April 2012

Dundee – Salicylat, der aktive Wirkstoff von Acetylsalicylsäure (ASS), aktiviert in den Zellen ein Energiesparenzym, das das Zellwachstum hemmt. Diese Entdeckung in Science (2012; doi: 10.1126/science.1215327) könnte die seit längerem diskutierte krebspräventive Wirkung von ASS erklären. Es gibt Überschneidungen mit dem Wirkungsmechanismus des oralen Antidiabetikums Metformin, dessen Anwendung ebenfalls mit einer Senkung der Krebsrate in Verbindung gebracht wird.

Das in den 1980er Jahren von Grahame Hardie, Universität Dundee, entdeckte Enzym AMPK (für AMP-activated protein kinase) reguliert in den Zellen den Energiestoffwechsel. Seine Funktion wird von Biochemikern als ein Schutzmechanismus vor Energiemangel gedeutet. Der Tritt auf die Sparbremse hat zur Folge, dass Zellteilungen verschoben werden. Betroffen ist damit auch die Proliferation energiehungriger Tumoren.

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In den letzten Jahren hat es zahlreiche epidemiologische Hinweise gegeben, dass Anwender von ASS seltener an Krebs erkranken. Auch in klinischen Studien hat sich ASS im begrenzten Maße als krebspräventiv erwiesen. Zuletzt hatten Meta-Analytiker der Universität Oxford hierzu Übersichten im Lancet vorgestellt. Der Wirkungsmechanismus war jedoch bisher unbekannt. Hardie kann jetzt zeigen, dass Salicylate in der Zelle AMPK aktivieren. Die Folge ist nicht nur ein potenzieller Krebsschutz.

Die Aktivierung von AMPK führt auch zu einem Anstieg der Fettverbrennung und einem Abbau von Fett in der Leber, wie Greg Steinberg von der McMaster Universität in Hamilton/Ontario in begleitenden Untersuchungen herausfand. Bei sogenannten Knock-Out-Mäusen, die kein AMPK bilden, blieb die Wirkung auf den Fettstoffwechsel aus.

Durch die Aktivierung von AMPK könnten Salicylate einer diabetischen Stoffwechsellage entgegenwirken. Tatsächlich gibt es für Salsalat, ein derzeit nicht gebräuchliches Salicylat, Belege für eine Wirkung beim Typ-2-Diabetes mellitus. In einer klinische Studie konnte der Langzeitblutzucker HbA1c unter der Therapie mit Salsalat gesenkt werden (Annals of Internal Medicine 2010; 152: 346-57). Laut Steinberg laufen derzeit weitere klinische Studien zu dieser Frage.

Auch das Diabetesmedikament Metformin aktiviert AMPK, wie Andrew Morris von der Universität Dundee vor einigen Jahren herausfand. Für Metformin wird ebenfalls eine krebspräventive Wirkung diskutiert. So zeigen Beobachtungsstudien, dass Typ-2-Diabetiker, die mit Metformin behandelt werden, seltener an Darmkrebs erkranken (Diabetes Care 2011; 34: 2323-2328).

AMPK könnte nach Ansicht von Hardie der gemeinsame Nenner der beiden präventiven Wirkung der beiden Medikamente sein. Der Hinweis auf den möglichen Mechanismus ist allerdings kein Argument für den klinischen Einsatz, da der Einsatz von ASS mit einem Blutungsrisiko verbunden ist. Dieses muss gegenüber den potenziellen Wirkung abgewogen werden, was nur in randomisierten klinischen Studie möglich ist. © rme/aerzteblatt.de

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