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WHO: Masern-Sterblichkeit weiter zu hoch

Dienstag, 24. April 2012

Genf – Die Zahl der Maserntodesfälle ist im ersten Jahrzehnt nach 2000 um 74 Prozent gefallen. Damit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein vor wenigen Jahren noch realistisches Ziel einer Reduktion um 90 Prozent verfehlt. Verantwortlich sind Ausbrüche in Afrika und Verzögerungen der Impfungen in Indien.

Für die Industrieländer ist es eine Selbstverständlichkeit, dass die meisten Kinder gegen Masern geimpft werden, und es ist hochwahrscheinlich, dass die wenigen nicht geimpften Kinder nicht an Masern erkranken. Todesfälle sind tragische Einzelfälle. In vielen Entwicklungsländern ist dies anders. Global gesehen wird vielerorts nicht konsequent geimpft, und im Fall von Komplikationen, zumeist bakteriellen Superinfektionen mit Otitis media, Bronchitis, Pneumonie oder Diarrhöen steht keine ausreichende medizinische Versorgung zur Verfügung, die bei den seltenen schweren Hirninfektionen nicht immer helfen würde. Jedes Jahr sterben deshalb unzählige Kinder an Masern. Wie viele es genau sind, ist nicht bekannt. Denn in 128 von 193 Ländern der Erde gibt es noch nicht einmal verlässliche Sterberegister.

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Die Gruppe um Peter Strebel von der Weltgesundheitsorganisation kann deshalb im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)60522-4) nur sehr grobe Schätzungen zur Masernmortalität vorstellen. Sie beruhen auf den ebenfalls lückenhaften Zahlen zu den Erkrankungen, die hochgerechnet und mit der bekannten alters-adjustierten Letalität in Beziehung gesetzt wurden.

Danach sind im Jahr 2000 weltweit 535.300 Kinder an Masern gestorben. Es könnten aber auch 347.200 oder 976.400 gewesen sein. So weit reicht das 95-Prozent-Konfidenzintervall der Berechnungen. Für 2010 ermitteln die Autoren 139.300 Todesfälle (71.200 bis 447.800), was den erwähnten Rückgang um 74 Prozent ergibt. Nach früheren Publikationen war die Zahl bis 2005 gegenüber 2000 bereits um 50 Prozent gefallen, was die WHO zu dem ehrgeizigen Ziel einer 90-prozentigen Reduktion veranlasst hatte – das jetzt verfehlt wurde.

Die Ursache sind die häufigen Todesfälle aus Indien (47 Prozent aller weltweiten Maserntodesfälle) und Afrika (36 Prozent aller Todesfälle). Für Afrika ist dies dennoch ein Erfolg, denn im Jahr 2000 fielen noch 63 Prozent aller weltweiten Maserntodesfälle auf den Kontinent. Der Anteil von Indien betrug damals dagegen nur 16 Prozent (auch die absoluten Zahlen sind hier kaum gesunken).

In Afrika haben mehrere größere Epidemien verhindert, dass das Ziel erreicht wurde. In Indien stockten zuletzt die Impfkampagnen. Dort sollen bis 2015 weitere 134 Millionen Kinder geimpft werden. Dies und die Einführung einer zweiten Impfung in einigen indischen Teilstaaten könnte dazu führen, dass die Zahl der Maserntodesfälle bis 2015 deutlich zurückgeht und das Ziel einer 90-prozentigen Reduktion nachträglich doch noch erreicht wird, schreiben die Autoren.

Der Rückgang ist laut WHO vor allem der Measles Initiative zu verdanken, die vom American Red Cross, der United Nations Foundation (einer 1988 vom US-amerikanischen Medienunternehmer Td Turnier initiierten Stiftung), den US-Centers for Disease Control and Prevention und der UNICEF getragen wird. Seit 2001 hat die Initiative mehr als 1 Milliarde Kinder gegen Masern geimpft. Sie wurde jetzt in Measles & Rubella Initiative umbenannt, da auch in den Entwicklungsländern jetzt vermehrt gegen beide Krankheiten gleichzeitig geimpft werden soll, was laut WHO in 62 Ländern derzeit noch nicht der Fall ist.

Die WHO-Generaldirektorin Margaret Chan bezeichnete die Ausweitung als den nächsten logischen Schritt. Die Ausdehnung der Impfungen bis 2015 soll jetzt begleitet werden durch verbesserte Instrumente zur Beobachtung der Epidemien und zur Vorbereitung auf neue Ausbrüche. Kommunikation und Forschung sollen ebenfalls gefördert werden.

Die einzelnen Länder können auf die Unterstützung der Globalen Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (GAVI) hoffen, die 605 Millionen US-Dollar in die Impfungen steckt. Der United Nations Foundation zufolge fehlen bis 2015 allerdings noch weitere 112 Millionen US-Dollar. © rme/aerzteblatt.de

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