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Arzneimittel­sicherheit: Institute of Medicine fordert Reform der FDA

Donnerstag, 3. Mai 2012

Washington – Das Institute of Medicine (IOM), ein unabhängiges Beratergremium der US-Regierung, regt in einem Report eine Reform zur Überwachung von Medikamenten nach deren Zulassung an. Zu den Vorschlägen gehören Zentralakten zu allen zugelassenen Medikamenten und die stärkere Nutzung von Patientenregistern.

Die Erfahrungen mit dem Lipidsenker Crestor, dem Schmerzmittel Vioxx und dem Antidiabetikum Avandia zeigen dem IOM, dass die Arzneimittelüberwachung nach der Zulassung verbessert werden muss. Alle drei Medikamente wurden in der Postmarketingphase vom Markt genommen, weil Risiken erkannt wurden, die in den Zulassungsstudien nicht geahnt wurden und nach denen deshalb nicht gesucht worden war. Ähnliche Fälle werden sich in Zukunft zwar nicht vermeiden lassen, das IOM glaubt aber, dass sie schneller erkennt werden könnten und die notwendigen Maßnahmen früher eingeleitet werden sollten.

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Als wichtigstes Instrument schlägt das Team um Ruth Faden Berman vom Institute of Bioethics in Baltimore einen „Benefit and Risk Assessment and Management Plan“ (BRAMP) vor. Gedacht wird an eine öffentlich zugängliche Sammlung sämtlicher Sicherheitsinformationen, die nach der Zulassung bekannt wurden.

Für jedes Medikament würde ein separater BRAMP aufgestellt. Er würde auch alle regulatorischen Maßnahmen und Studien auflisten, die die FDA zu einem Wirkstoff angeordnet hat. Laut IOM sammelt die FDA bereits jetzt viele dieser Informationen, speichere sie aber an unterschiedlichen Orten ab, was die Transparenz vermindere.

Eine erhöhte Vigilanz ist nach Ansicht des IOMs bei den ersten Vertretern einer neuen Wirkstoffklasse erforderlich. Diese würden oft aufgrund von Surrogatendpunkten in den Studien zugelassen, die sich bei Medikamenten früherer Wirkstoffklassen als bewährt hätten, die aber bei dem neuen Wirkstoff versagen können.

Als Beispiel nennt das IOM ein (hypothetisches) Antihypertensivum, das zwar den Blutdruck senkt (Surrogat-Endpunkt), trotzdem aber die Herz-Kreislauf-Sterblichkeit erhöht, weil es gleichzeitig zu einer Gewichtszunahme kommt, die ein kardiovaskulärer Risikofaktor ist.

Bei neuen Wirkstoffklassen sollten deshalb ausführlichere Postmarketing-Studien durchgeführt werden (um eine schädliche Wirkung des hypothetischen Antihypertensivums) rechtzeitig zu erkennen. Dem IOM schwebt dabei vor, hier stärker als bisher auf die Analyse von elektronischen Krankenakten zurückzugreifen (in denen eine Assoziation der Verordnung des hypothetischen Antihypertensivums mit einer erhöhten Zahl von Herzinfarkten erkannt werden könnte).

Solche Beobachtungsstudien sind nach Ansicht von Faden ethisch weniger problematisch als weitere randomisierte klinische Studien. Denn diese Studien würden in Postmarketingphase zwangsläufig einigen Patienten ein wirksames Medikament vorenthalten.

Der Report war von der FDA in Auftrag gegeben worden. Die US-Arzneibehörde sah sich in den letzten Jahren immer wieder der Kritik ausgesetzt, bei den Arzneimittelskandalen um Crestor, Vioxx und Avandia zu zögerlich gehandelt zu haben. © rme/aerzteblatt.de

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