Politik

Versorgungsengpässe trotz steigender Zahl an Hebammen

Freitag, 4. Mai 2012

Berlin/Erfurt – Trotz sinkender Geburtenzahlen arbeiten immer mehr Hebammen in Deutschland. Das ist das Ergebnis eines aktuellen Gutachtens, welches das IGES Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) erstellt hat. Daher sei nicht von einer grundsätzlichen Verschlechterung des Angebots an Hebammenleistungen auszugehen, so das BMG.

Dem Gutachten zufolge übersteigt aber gleichzeitig in einigen Bereichen, insbesondere bei der 1:1-Betreuung bei Beleggeburten und der Wochenbettbetreuung, die Nachfrage das Angebot. Im Hinblick auf die Vergütungssituation der Hebammen ergibt die Analyse ein zudem differenziertes Bild: Dabei hängt die Höhe des erzielten Einkommens auch wesentlich von der durchschnittlichen Arbeitszeit und den durchgeführten Leistungen der Hebammen ab.

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Ein besonderes Augenmerk legt das Gutachten auf die Entwicklung in der Berufshaft­pflichtversicherung der Hebammen. Danach fallen für Haftpflichtversicherungen, die auch die Betreuung von Geburten abdecken, aktuell ganz überwiegend Jahresprämien von fast 3.700 Euro an.

Im Juli 2012 ist ein erneuter Anstieg dieser Haftpflichtprämien um 15 Prozent zu erwarten. „Dies stellt für die Hebammen eine nicht unerhebliche finanzielle Belastung dar“, heißt es dazu aus dem Ministerium. Die freiberuflich tätigen Hebammen verzichteten deshalb immer häufiger darauf, ihrer eigentlichen Tätigkeit nachzugehen und den Schwangeren bei der Geburt zu helfen. Sie böten den Müttern stattdessen Beratung und Hilfe vor und nach der Geburt.

Aus Sicht des BMG zeigt das Gutachten, dass in einigen Leistungsbereichen Spielraum für die Vereinbarung einer höheren Vergütung bestehe. Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) forderte daher in der Süddeutschen Zeitung vom Freitag die Kranken­kassen auf, insbesondere die freiberuflichen Hebammen bei künftigen Verhandlungen besser zu stellen. Ihm sei eine wohnortnahe Versorgung wichtig, sagte er. Frauen sollten selbst entscheiden können, ob sie ihre Kinder zuhause oder im Krankenhaus zur Welt bringen wollten.

Auch Linke und Grüne beklagen die anhaltend schlechten Berufsbedingungen für Hebammen. Im Zentrum der Kritik stehen vor allem die geringe Bezahlung und die hohe Belastung durch Versicherungsbeiträge. Letztlich werde dadurch die Begleitung der Frauen vor und nach der Geburt eines Kindes immer schwieriger, sagte die Linke-Gleichstellungsexpertin Karola Stange.

Grünen-Fraktionschefin Anja Siegesmund warnte davor, in eine weitere Versor­gungslücke zu schlittern. Die Politik könne „nicht einerseits mehr Mut zu Kindern und Familie fordern und gleichzeitig jene, die wichtige Stütze in den ersten Tagen einer jungen Familie sind, in prekäre Beschäftigung schicken“. Beide verlangten, die Hebammen-Leistungen endlich ins Sozialgesetzbuch aufzunehmen. © hil/aerzteblatt.de

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nocure
am Samstag, 19. Mai 2012, 10:26

Grausames Schicksal

Ein sachlich falscher Artikel mit politisch motivierter Zielrichtung.
1. Die Haftpflichtprämien betreffen überwiegend die Beleghebammen, nicht alle Hebammen.
2. Die Vergütung der ambulant tätigen Hebammen in der Geburtshilfe übersteigt heute schon die der niedergelassenen Gynäkologen.
3. Nur weil ein Mangel an Beleghebammen in Deutschland aufgrund der Haftpflicht entsteht ist das noch lange kein Grund plötzlich die Prämien zu ändern oder von der Allgemeinheit übernehmen zu lassen. Das wäre der Startschuß für Ansprüche anderer Fachgruppen, dieses auch zu fordern.
4. Als Hebamme würde ich sofort flüchten, wenn jemand aus dem Dunstkreis der GKV von Lob und SGB V spricht. Dass Kann nur mehr Bürokratie und Minderverdienst bei Gängelung durch die Politik bedeuten. In keinem Fall wird es dadurch eine Verbesserung der Situation geben.
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