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Biodiversität könnte vor Allergien schützen

Dienstag, 8. Mai 2012

Helsinki – Teenager, die auf dem Land aufwachsen, leiden seltener an Asthma. Eine Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS 2012; doi: 10.1073/pnas.1205624109) erklärt dies mit einer größeren Artenvielfalt der Natur in Wohnortnähe, die sich auf die bakterielle Besiedlung der Haut auswirkt.

Die Studie wurde im Osten Finnlands durchgeführt. Die 118 Teenager waren nach dem Zufallsprinzip unter den Bewohnern einer 100 mal 150 Kilometer großen Landschaft ausgesucht worden. Einige lebten auf Einzelhöfen auf dem Land, andere waren in städtischen Siedlungen aufgewachsen. Ilkka Hanski, eine Ökologin der Universität Helsinki, und Mitarbeiter hatten bei der Auswahl darauf geachtet, dass alle Teenager seit ihrer Kindheit nicht umgezogen waren. Sie waren also zeitlebens den gleichen Umweltbedingungen ausgesetzt.

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Die Forscher führten eine Schätzung der Biodiversität in einer Zone von 3 Kilometern um die Wohnung oder das Haus eines jeden Studienteilnehmers durch. Außerdem wurde die Vegetation in unmittelbarer Umgebung des Wohnsitzes beurteilt. Allen Patienten wurden vom Unterarm Abstriche entnommen, in denen mittels DNA-Sequenzierung die Vielfalt der bakteriellen Flora bestimmt wurde. Zum Allergiestatus wurde bei jedem Teilnehmer ein Test durchgeführt, der die Reaktion von IgE-Antikörpern im Serum auf eine Reihe häufiger Inhalationsallergene misst.

Hanski und Mitarbeiter fanden eine enge Beziehung zwischen den drei Komponenten Landnutzung, Hautflora und Allergie. Teenager, die in einer Umgebung mit einer hohen Biodiversität aufgewachsen waren, hatten eine größere Vielfalt von Bakterien auf der Haut und sie waren seltener an Allergien erkrankt.

Bei 69 Teenagern wurde zusätzlich die Vielfalt der Gammaproteobakterien auf der Haut mit den Ergebnissen eines Immuntests verglichen. Der Test misst die Freisetzung von Interleukin-10 aus Abwehrzellen. Interleukin-10 ist als Zytokin an der Vermittlung einer Immuntoleranz beteiligt, die beim Menschen allergische Reaktionen (aber auch Autoimmunerkrankungen) verhindert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Verbreitung von Acinobacter auf der Haut mit einer vermehrten Expression von Interleukin-10 korrelierte. Acinobacter sind auch im Erdreich weit verbreitet.

In einer anderen Untersuchung hatte das Team um Thomas Abrahamsson von der Universität Linköping kürzlich die Darmflora von Säuglingen mit deren Ekzemneigung verglichen. Auch hier war die Erkrankungrate der Säuglinge höher, wenn die „Artenvielfalt im Darm“ niedrig war (Journal of Allergy and Clinical Immunology (JACI 2012; 129: 434-440). Die Forscher glauben zwar nicht, dass die verminderte Biodiversität der einzige Grund für den Anstieg der Allergierate in der Gesellschaft ist. Sie könnte jedoch ein Faktor sein. © rme/aerzteblatt.de

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