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Glioblastom: Stammzelltherapie mit genetischem Schutzschild

Donnerstag, 10. Mai 2012

Seattle – US-Forscher haben erstmals am Menschen eine neue Variante der Stammzelltherapie untersucht. Drei Patienten mit Glioblastom wurden vor der Chemotherapie mit genetisch manipulierten Stammzellen behandelt, die das Knochenmark unempfindlich gegen den Angriff der Zytostatika machen sollen. Die Überlebenszeiten konnten laut einem Bericht in Science Translational Medicine (2012; 4: 133ra57) deutlich verlängert werden.

Das Glioblastom gehört zu den Krebserkrankungen mit der schlechtesten Prognose. Die mittleren Überlebenszeiten betragen nur 12 bis 15 Monate. Die Chemotherapie erzielt nur eine begrenzte Wirkung. Ihre Resistenz erlangen die Krebszellen, indem sie das DNA-Reparaturenzym MGMT aktivieren. Es repariert die Schäden, mit denen alkylierende Zytostatika die Krebszellen vernichten sollen.

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Dieser Selbstschutz der Tumoren könnte durch den Wirkstoff O6-Benzylguanin aufgehoben werden. O6-Benzylguanin blockiert das Gen von MGMT, so dass kein DNA-Reparaturenzym gebildet wird. Doch O6-Benzylguanin greift auch das Knochenmark der Patienten an. Die Myelotoxizität verhinderte bisher den Einsatz im Rahmen einer Chemotherapie beim Glioblastom.

Das Team um Hans-Peter Kiem vom Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle hat jetzt einen Weg gefunden, um das Knochenmark vor dem Angriff von O6-Benzylguanin zu schützen. Sie entnahmen den Patienten vor der Chemotherapie Stammzellen, die sie dann im Labor genetisch manipulierten. Mittels eines Virus wurde den Stammzellen das Gen für eine spezielle Variante des MGMT-Gens implantiert, an dem O6-Benzylguanin nicht bindet.

Nach der Gentherapie im Labor wurden die autologen Stammzellen den Patienten wieder infundiert. Die Erfahrungen an den ersten drei Patienten sind vielversprechend. Alle übertrafen die mittlere Überlebenszeit des Glioblastoms. Einer der drei Patienten ist nach Auskunft von Kiem mittlerweile 34 Monaten nach der Chemotherapie noch am Leben.

Eine Studie an drei Patienten hat jedoch nur eine geringe Beweiskraft. Es fehlte eine direkte Vergleichsgruppe. Ein statistisch signifikanter Vorteil könnte nur in einer größeren Studie belegt werden. Dennoch dürfte die Gentherapie der Stammzellen ein interessanter neuer Therapieansatz sein, der auch bei anderen Krebsarten angewendet werden könnte. Für Kiem ist sogar ein Einsatz in der Therapie der HIV-Infektion denkbar. Dort könnten T-Zellen so modifiziert werden, dass sie von HI-Viren nicht mehr infiziert werden. © rme/aerzteblatt.de

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