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Neue Approbationsordnung: Studierende gegen Zwang zur Allgemeinmedizin im PJ

Freitag, 11. Mai 2012

Berlin – Nein zum Qualquartal – unter diesem Motto protestierten heute knapp 100 Medizinstudierende aus Berlin und Hannover sowie Mitglieder der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) vor dem Bundesratsgebäude gegen die Pflicht, in ihrem praktischen Jahr (PJ) das Fach Allgemeinmedizin absolvieren zu müssen. Dies sehen jedoch die Empfehlungen der Bundesratsausschüsse für Gesundheit und Kultur zur neuen Approbationsordnung vor, über die der Bundesrat heute entscheiden soll.

Die Ausschüsse des Bundesrates fordern einen Pflichtabschnitt in der Allgemeinmedizin für alle Medizinstudierenden, die ihr Studium ab Ende September 2013 aufnehmen. Auf diese Weise sollen die Studierenden von dem Fach begeistert und dem Hausarztmangel entgegengewirkt werden. 

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Viele Studierende bezweifeln jedoch, dass das Defizit an Hausärzten durch solche Maßnahmen behoben werden kann. „Wir gehen davon aus, dass man junge Mediziner besser für die Allgemeinmedizin motivieren kann, indem man qualitativ hochwertige Famulaturen und Praktika auf freiwilliger Basis anbietet sowie die Lehre und die flächendeckende Einführung von Lehrstühlen für Allgemeinmedizin verbessert“, sagte Melissa Camara Romero, Präsidentin der bvmd, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. Ein Pflichtabschnitt in der Allgemeinmedizin während des PJ würde dagegen die Möglichkeiten der Studierenden verringern, individuelle Ausbildungsprioritäten zu setzen.

Symbolisch beerdigten die Studierenden vor dem Bundesratsgebäude in Berlin ihre Wahlfächer vor einem imaginären Grabstein mit der Aufschrift „Wahltertial, gestorben am 11. Mai 2012“. Die bvmd hatte zuvor auch in 15 anderen Universitätsstädten zum Protest aufgerufen: In den vergangenen Tagen hatten Studentenvertreter zahlreiche Demonstrationen im Vorfeld der Bundesratsentscheidung organisiert und Unterschriften gegen einen Zwangsabschnitt Allgemeinmedizin im PJ gesammelt.

„Die Versäumnisse der Politik bei der Allgemeinmedizin dürfen nicht auf den Rücken der Studierenden ausgetragen werden“, erklärte auch Medizinstudent Stephan Irannejad vom Allgemeinen Studierenden Ausschuss Hannover, der mit 20 Kommilitonen nach Berlin gereist war, um die Aktion zu unterstützen. „Durch Zwang kann kein Wohlfühlen in einem Fachgebiet erreicht werden.“ Zwar könne prinzipiell jedes Fachgebiet beworben werden, aber die Ausbildung darin müsse engagiert und gut sein, ebenso wie die künftigen Arbeitsbedingungen.

Andreas Kühn von der Fachschaft der Berliner Medizinstudenten kann sich zwar vorstellen, künftig einmal Hausarzt zu werden und befürwortet eine Stärkung der Allgemeinmedizin in der Ausbildung zum Arzt, hat aber dennoch den Protest vor dem Bundesrat mit organisiert. „Ein Zwang würde alle guten Ansätze ins Gegenteil verkehren“, ist er überzeugt. Notwendig wären stattdessen mehr Lehrstühle für Allgemeinmedizin , ein Qualitätsmanagement der Ausbildung sowie gut trainierte und motivierte Hausärzte in den Lehrpraxen, erklärte er gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt. „Nur so werden mehr Studenten Lust darauf bekommen, im PJ in eine Hausarztpraxis zu gehen“, betonte Kühn.

Während zunächst ein Pflichttertial Allgemeinmedizin im Gespräch war, hatte vor einige Wochen die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) alternativ die Einführung lediglich eines Pflichtquartals vorgeschlagen, um den Studenten neben den Stationen in der Allgemeinmedizin, der Chirurgie und Inneren Medizin eine weitere Wahlmöglichkeit zu lassen. Doch auch dieser Vorschlag stößt bei den Vertretern von Fachorganisationen und Fachgesellschaften sowie Studentenvertretern auf Ablehnung.

Ein Monat weniger auf der Station würde für alle Fächer weniger Tiefe bedeuten, da immer zunächst eine Einarbeitsphase notwendig sei, erläuterte Andreas Hammersschmidt vom Studentischen Sprecherrat des Marburger Bundes. Kaum sei man da, müsse man schon wieder weg. Dies schade sowohl der eigenen Ausbildung und brächte zudem keine Entlastung für die Kollegen auf den Stationen. Der Marburger Bund fordert daher den Bundesrat auf, die freie Entscheidung der Studierenden nicht durch ein neues Pflichttertial oder -quartal Allgemeinmedizin zu konterkarieren.

Die vorgelegte Novelle der Approbationsordnung sieht ferner eine Abschaffung des sogenannten Hammerexamens sowie die Einbeziehung weiterer Krankenhäuser in das PJ vor. © ER/aerzteblatt.de

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