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Antibiotikum Azithromycin erhöht kardiales Risiko

Freitag, 18. Mai 2012

Nashville – Die Einnahme von Azithromycin, eines wegen seiner kurzen Behandlungszeit beliebten Antibiotikums, ging in einer Kohortenstudie im New England Journal of Medicine (2012; 366:1881-1890) mit einer erhöhten Rate von kardialen Todesfällen einher. Das absolute Risiko ist allerdings gering. Die US-Arzneibehörde FDA prüft die Daten, sieht aber derzeit keinen Grund die Anwendung einzuschränken.

Das Breitbandantibiotikum Azithromycin gehört zu den Makroliden. Für Erythromycin und Clarithromycin, zwei weitere Vertreter dieser Gruppe, ist in Studien ein erhöhtes Risiko auf einen Herzstillstand ermittelt worden. Für Azithromycin gab es bisher keinen Beleg. Alle drei Wirkstoffe können jedoch das QT-Intervall im EKG verlängern. Dies begünstigt die Entwicklung von Torsade de pointes, einer ventrikulären Arrhythmie, die Vorbote eines Kammerflimmern und eines plötzlichen Herztods sein kann.

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Um herauszufinden, ob auch Azithromycin mit einer erhöhten Rate von plötzlichen Todesfällen einhergeht, haben Wayne Ray von der Vanderbilt University in Nashville und Mitarbeiter die Verordnungsdaten von Antibiotika für Begünstigte der staatlichen Krankenversicherung für Bedürftige Medicaid in Tennessee mit den dortigen Sterberegistern abgeglichen.

Die Kohorte umfasst 540.000 Versicherte im Alter von 30 bis 74 Jahren, denen in den Jahren 1992 bis 2006 rund 350.000 Mal Azithromycin verschrieben wurde. Im Vergleich zu Versicherten, die keine Antibiotika erhalten hatten, kam es unter Azithromycin zu 85 Prozent häufiger zu Todesfällen (Hazard Ratio HR 1,85; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,25-2,75).

Herz-Kreislauf-Erkrankungen wurden sogar fast dreifach häufiger als Todesursache angegeben (HR 2,88; 1,79-4,63). Auch für den plötzlichen Herztod, der als Ursache infrage kommt, fand Ray ein Signal (HR 2,71; 1,58–4,64), wobei die notorische Ungenauigkeit von Todesbescheinigungen hier sicherlich Fragezeichen setzt.

Für Patienten, die mit Amoxicillin behandelt wurden, fand Ray dagegen kein erhöhtes Risiko, was unter anderem ausschließen soll, dass die Erkrankungen und nicht die Therapie für die plötzlichen Todesfälle verantwortlich waren. Retrospektive Analysen können andere Ursachen nicht sicher ausschließen. Es bleibt vorstellbar, dass Azithromycin bevorzugt Patienten mit anderen kardialen Risikofaktoren verordnet wurde, die die Todesfälle erklären.

Vor dem Hintergrund der bekannten QT-Verlängerung erscheint ein kardiales Risiko von Azithromycin jedoch plausibel zu sein. Die FDA kündigte in einer ersten Stellungnahme an, die Ergebnisse in ihre Risikobewertung einfließen zu lassen. Die FDA hatte im Jahr 2011 die Sicherheit von Makroliden geprüft. Die Verlängerung des QT-Intervalls wird (auch in Deutschland) in den Fachinformationen erwähnt. Die FDA hatte das Risiko bei Azithromycin bisher als gering eingestuft. Möglicherweise steht hier eine Revision bevor.

Für eine Indikationseinschränkung dürfte die absolute Gefahr für die Patienten zu gering sein. Die Zahl der Todesfälle während der 5-tägigen Behandlungszyklen war gering. Die vergleichsweise hohen relativen Risiken haben laut den Berechnungen von Ray zur Folge, dass es im Vergleich zu Amoxicillin auf eine Million Verordnungen nur zu 47 zusätzlichen kardialen Todesfällen kommt. Bei Menschen mit erhöhtem kardialen Risiko (oberstes Zehntel) steigt die Zahl auf 245 zusätzliche Todesfällen pro 1 Million Patienten. In dieser Gruppe dürfte deshalb am ehesten Vorsicht geboten sein. © rme/aerzteblatt.de

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