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Warnung vor dem Pflegekollaps

Freitag, 18. Mai 2012

München – Das Soziale Netz Bayern warnt vor einem Pflegenotstand im Freistaat. Um den Kollaps abzuwenden, seien dringend finanzielle Verbesserungen für pflegende Angehörige und Fachkräfte sowie eine grundlegende Reform der Pflegeversicherung notwendig, erklärte der Verbund von 17 Sozialorganisationen am Freitag und richtete einen Forderungskatalog an die Staatsregierung. Sozialministerin Christine Haderthauer (CSU) entgegnete, Bayern sei bei der Pflege hervorragend aufgestellt.

Die VDK-Vorsitzende Ulrike Mascher sagte in München: „Schnelles Handeln tut Not.“ Beim der Pflege dürfe es kein „Aussitzen“ geben. Nur mit einem Gesamtkonzept könne den Betroffenen geholfen werden. Mascher rief die CSU auf, sich auf Bundesebene mit der gleichen „Wucht“ für Verbesserungen in der Pflege einzusetzen wie für das Betreuungsgeld.

Den Angaben zufolge sind in Bayern derzeit 318.000 Menschen als pflegebedürftig anerkannt. Zwei Drittel von ihnen werden zu Hause versorgt, überwiegend von Familienangehörigen. Nach Berechnungen der Staatsregierung steigt die Zahl der Pflegebedürftigen von 2005 bis 2020 um 37,8 Prozent und damit stärker als im Bundesdurchschnitt.

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Konkret fordert das Soziale Netz eine deutliche Anhebung des Pflegegeldes sowie eine Erhöhung der Rentenbeiträge für pflegende Angehörige. Vor allem Frauen, die sich daheim um ihre Familienmitglieder kümmern, seien zunehmend von Altersarmut bedroht, betonte Mascher. Sie plädiert ferner für einen verbindlichen Rechtsanspruch auf Pflegezeit analog zur Elternzeit.

Kampf gegen den Fachkräftemangel
Der Verbund verlangt zudem mehr Engagement im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Bereits jetzt fehlten 30.000 Fachkräfte in der Pflege, sagte Thomas Beyer, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege. Um den Beruf attraktiver zu machen, seien eine bessere Bezahlung und eine kostenlose Ausbildung unerlässlich.

Der Vorsitzende der DGB Bayern, Matthias Jena, forderte, dass die Finanzierung der Pflege „auf völlig neue Füße gestellt wird“. Die gesetzliche Pflegeversicherung müsse zu einer solidarischen Bürgerversicherung reformiert werden. Darin sollten Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichviel einzahlen, auch Selbstständige und Beamte müssten einbezogen werden.

Sozialministerin Haderthauer sagte: „Bayern ist bundesweiter Vorreiter in Sachen Pflege.“ Die Staatsregierung fördere etwa ehrenamtliche Helfer und Betreuungsgruppen, die pflegende Angehörige stundenweise entlasten. Dieses Angebot solle weiter ausgebaut werden. Handlungsbedarf sehe sie auf Bundesebene. Um den Pflegeberuf attraktiver zu machen, brauche es ein einheitliches Pflegeberufegesetz. © dapd/aerzteblatt.de

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