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Weniger Belastungsstörungen nach Kriegseinsätzen als erwartet

Donnerstag, 24. Mai 2012

Boston – Posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sind bei US-amerikanischen Soldaten, die mittlerweile aus dem Irak und Afghanistan zurückgekehrt sind, seltener als erwartet. Das ermittelten Wissenschaftler der Harvard University unter der Leitung von Richard J. McNally anhand der Ergebnisse der für diese Soldaten entwickelten Präven­tions­programme. Die Studie erscheint in der aktuellen Ausgabe des Fach­magazins Science (doi: 10.1126/science.1222069) und lässt die Autoren optimistisch auf die Prävalenz der PTBS auch unter der Allgemeinbevölkerung blicken.

Während vorherige Ermittlungen zu posttraumatischen Störungen Schätzungen zuließen, dass etwa ein Drittel aller Soldaten daran leiden würden, sprechen die Autoren in dieser Studie von einer Prävalenz zwischen zwei und knapp 14 Prozent. Dabei leiden laut der gründlichsten aller vorhandenen Umfragen durchschnittlich 4,3 Prozent aller im Irak oder in Afghanistan stationierten Soldaten in der Folge an den psychischen Belastungs­reaktionen, wobei die Zahl der Soldaten mit direkter Nahkampferfahrung mit 7,6 Prozent deutlich höher liegt.  

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Die Wissenschaftler aus Boston schreiben diese Ergebnisse vor allem den verbesserten Präventionsmaßnahmen des US-Militärs und der effektiveren Behandlung der Soldaten nach ihrer Rückkehr zu. So stamme die Zahl, dass rund 30 Prozent aller Soldaten später eine PTBS entwickeln würde, noch aus Studien, die bis Ende der 90er Jahre Soldaten aus dem Vietnam-Krieg untersucht hatten. Seitdem habe sich die Gesundheitsfürsorge in diesem Bereich jedoch erheblich verbessert, befinden die Autoren.

Die Präventionsprogramme beginnen heute früher als vor 20 oder 30 Jahren. Programme wie beispielsweise ein zehntägiger Kurs mit dem Namen „Comprehensive Soldier Fitness“ oder ein sogenanntes Battlemind Training zeigen laut den Autoren positive Effekte auf Soldaten. Auch ein Belastbarkeitstraining vor ihrem Einsatz schütze die Angehörigen des Militärs vor psychischem Stress. Der müssen nicht unbedingt durch Konflikte im Kampf oder durch Bombenattentate entstehen, so McNally. Allein die Entfernung von der Heimat oder die fehlende Nähe zu Kindern und Familie spiele eine entscheidende Rolle, meint der Wissenschaftler. 

Auch die Behandlung der Kriegsveteranen nach ihrem Einsatz habe sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Als Beispiel nennen die Forscher die Ermutigung durch den Therapeuten, Symptome wie eine gesteigerte Vigilanz nicht als psychische Erkrankung oder gar einen persönlichen Fehler anzusehen. Vielmehr könnten Soldaten solche Vorgänge als einen notwendigen Prozess ihrer mentalen Rückkehr betrachten. © hil/aerzteblatt.de

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