Ethikrat warnt vor möglichen Risiken "personalisierter Medizin"
Donnerstag, 24. Mai 2012
CHristiane Woopen
Berlin – Der Deutsche Ethikrat hat vor möglichen Risiken einer sogenannten personalisierten Medizin gewarnt. „Es muss um das Wohl der Patienten gehen, und sie dürfen nicht vor den Karren der Molekularmedizin und Pharmaindustrie gespannt werden”, sagte die neue Vorsitzende des Gremiums, Christiane Woopen, auf der Jahrestagung des Ethikrats am Donnerstag in Berlin.
Genom- und biomarkerbasierte, individuell auf den Patienten zugeschnittene Therapien böten zwar große Chancen, gleichzeitig müssten dabei Fürsorge, Gerechtigkeit und Selbstbestimmtheit immer im Vordergrund stehen, so die Medizin-Ethikerin.
Der Pharmakologe Heyo Karl Kroemer von der Universität Greifswald erklärte, dass aufgrund des demografischen Wandels ein grundlegender Wandel im Gesundheitssystem unumgänglich sei. Die Effektivität müsse bei gleichzeitiger Kostenreduzierung gesteigert werden. Dafür sei eine individuell zugeschnittene Medizin und Vorsorge ein möglicher Ansatz. Letztlich sei aber noch ungeklärt, ob eine solche individualisierte Medizin tatsächlich bessere Ergebnisse nach sich ziehe. Zudem sei die entsprechende Forschung immens teuer.
Der Augsburger Weihbischof Anton Losinger warnte, dass Gelder, die in den Ausbau solch einer genom- und biomarkerbasierte Forschung gesteckt würden, dann anderswo im Gesundheitssystem fehlten. Das sei aufgrund sich eh verknappender Mittel problematisch, sagte das Mitglied des Ethikrates, zumal der Nutzen noch ungeklärt sei. Gleichwohl sähen zahlreiche Mediziner die personalisierte Medizin als vielversprechenden Zweig an. © kna/aerzteblatt.de
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