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Kliniken wehren sich gegen OP-Vorwürfe

Mittwoch, 30. Mai 2012

Berlin – Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) wehrt sich gegen Vorwürfe des Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV-Spitzenverband), nachdem der Anstieg der Operationen in den Krankenhäusern teilweise ökonomisch motiviert sei. „Der medizinische Behandlungsbedarf kann nur von den behandelnden Ärzten beurteilt werden“, sagte der Hauptgeschäftsführer der DKG, Georg Baum.

Patienten, die in den Kliniken operiert würden, hätten oft eine längere Leidensgeschichte und würden in der Regel über den niedergelassenen Arzt eingewiesen. Hier greife ein Mehraugenprinzip. Zudem bestehe die Möglichkeit, Zweitmeinungen einzuholen. „Die pauschale Verdächtigung, die Krankenhäuser würden aus nichtmedizinischen Gründen Patienten operieren, ist diffamierend und dezidiert zurückzuweisen“, so Baum.

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Der GKV-Spitzenverband bezieht sich mit seinem Vorwurf auf ein Gutachten des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung Essen (RWI), das der GKV-Spitzenverband in Auftrag gegeben hat. „Vieles deutet darauf hin, dass in den Kliniken aufgrund ökonomischer Anreize medizinisch nicht notwendige Leistungen erbracht werden“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzen­verbandes, Hans Magnus von Stackelberg.

Nötig sei, die Menge und die Preise der Leistungen kurzfristig zu stabilisieren. Mittelfristig seien neue Modelle zur Steuerung der Mengen wichtig, insbesondere im Bereich planbarer Operationen. „Es muss das gemeinsame Anliegen der Kliniken, der Patienten und der Krankenkassen sein, dass die Anreize für medizinisch nicht notwendige Operationen gemindert werden“, sagte von Stackelberg.

Dem RWI-Gutachten zufolge ist die durchschnittliche Fallzahl in den Kliniken von 2006 bis 2010 um 8,1 Prozent gewachsen. Das entspreche einer Zunahme von rund 2,0 Prozent pro Jahr. „Selbst wenn man der durchaus umstrittenen These folgen wollte, dass die demografische Änderung zu steigenden Krankenhauseinweisungen führe, würde sie den tatsächlichen Anstieg der stationären Fallzahlen bei weitem nicht erklären können“, heißt es in dem Gutachten. Die Autoren folgern, es müssten andere Gründe für das starke Fallwachstum im Krankenhausbereich verantwortlich sein.

Die RWI-Gutachter konstatieren in ihrer Studie, dass für einzelne DRGs die sogenannten Grenzkosten erheblich unterhalb der Vollkosten liegen. Für einen zusätzlichen Fall sei der Erlös daher höher als die Kosten, was „einen starken Anreiz zur Mengen­aus­dehnung“ bedeute.

Die Studie bewertet in einem zweiten Teil mögliche Strategien zur Mengensteuerung der Krankenhausleistungen. Die Gutachter empfehlen drei Instrumente:

Zunächst Selektiverträge, bei dem die beiderseitigen Kontrahierungszwänge zwischen Krankenkassen und Krankenhäusern ganz oder für Teile des Leistungsspektrums entfallen. Zweitens könnte die sogenannte Schiedsstellenfähigkeit prospektiver Mehrleistungsvereinbarungen wegfallen. Mengenausweitungen, auf die sich die Krankenhäuser und Krankenkassen nicht bereits vorher geeinigt haben, würden dann geringer vergütet. Am wirksamsten wäre den RWI-Gutachtern zufolge aber ein Zertifikatehandel zwischen den Kliniken, über den die einzelnen Einrichtungen die Berechtigung für die Casemix-Punkte erwerben könnten. © hil/aerzteblatt.de

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Loewenherz
am Freitag, 1. Juni 2012, 10:08

Zertifikatehandel

"Am wirksamsten wäre den RWI-Gutachtern zufolge aber ein Zertifikatehandel zwischen den Kliniken, über den die einzelnen Einrichtungen die Berechtigung für die Casemix-Punkte erwerben könnten."
Wäre sicher "zielführend", da a) Positionen von Klinikverbänden / privaten Trägern gestärkt werden, b) man den weiteren Ausbau des Verwaltungswasserkopfes gefördert würde ("Casemixmanager") und, nicht zuletzt, man ja vielleicht sogar noch Spekulationen ermöglichen könnte.
Mit ein wenig Glück gibts dann auch bald "bad hospitals" in denen der Fallschrott abgeladen wird. Bevorzugt von den Kommunen getragen und letztlich dann von politischer Seite, in einer heroischen Rettungsaktion, zur Sanierung durch Steuergelder freigegeben.
regionnord
am Mittwoch, 30. Mai 2012, 22:38

Nicht nur oekonomisch...

Auch fachlich werden Operationen teilweise durchgefuehrt die nicht zwigend notwendig sind. So ist z.B. die Ausbildung bzw. die Weiterbildung von Aerzten manchmal einer der Gruende eine OP vorzuziehen, und das teilweise Jahre (z.B. Knie OPs). Natuerlich kann man sowohl fuer eine OP argumentieren, und wenn diese dann auch noch ins Program der Ausbildung passt ist dies wundervoll. Der Grund dafuer ist auch die Gesetzeslage, so berichten mir Chirugen oft dass sie eine bestimme Anzahl von OPs bewerkstellingen muessen um ihre Autorisation zu behalten. Fehlt dann eine (oder sogar mehrere) gegen Jahresende... ein Schelm wer boeses denkt...

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