Politik

Viele Pflegeheimbewohner leiden unter Suchtproblemen

Freitag, 1. Juni 2012

Berlin – Viele Pflegebedürftige in Deutschland sind alkohol- und medikamentenabhängig. Das geht aus der Antwort des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) auf eine Kleine Anfrage der SPD-Fraktion hervor. Demnach betreuen 80 Prozent aller stationären und ambulanten Pflegeeinrichtungen Menschen mit Suchtproblemen. „Nach Einschätzung der Pflegenden sind im Mittel sieben Prozent der Klienten in den stationären Pflege­ein­richtungen medikamentenabhängig“, zitiert das BMG eine entsprechende Studie.

Bereits bei der Vorlage des Qualitätsberichts zur Pflege im Frühjahr hatte Peter Pick, Geschäftsführer des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund, den Umgang mit Medikamenten in deutschen Pflegeheimen kritisiert: „Es ist in der Tat so, dass zu viele ruhigstellende Mittel in Pflegeeinrichtungen verordnen werden“, so Pick.

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Die SPD-Fraktion wies darauf hin, dass suchtbedingte Krankheitsbilder zunehmend auch bei älteren und hochbetagten Menschen festzustellen sind: „Schätzungsweise bis zu zwei Millionen Menschen über 60 Jahre weisen einen problematischen Gebrauch sogenannter psychoaktiver Medikamente auf“, vermutet SPD- Suchtexpertin Angelika Graf. Vor allem Frauen seien betroffen. 27 Prozent der älteren Männer wiesen hingegen einen gefährlichen Alkoholkonsum auf.

Vor diesem Hintergrund forderte die SPD-Fraktion die Regierung auf, das Hilfs-, Informations- und Beratungsangebot für suchtkranke ältere Menschen auszubauen und Strukturen zu etablieren, um  der Sucht im Alter effektiv entgegenzuwirken. „Sucht kennt keine Altersgrenzen und sollte deshalb einen wichtigen Platz in der Nationalen Strategie zur Drogen- und Suchtpolitik einnehmen“, forderte die SPD-Fraktion. © hil/aerzteblatt.de

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