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Ärzte wollen Organspende aktiv ins gesellschaftliche Bewusstsein rücken

Freitag, 1. Juni 2012

Berlin – Zum Tag der Organspende am 2. Juni hat die Bundesärztekammer (BÄK) erneut um eine größere Organspende-Bereitschaft geworben. „Wir müssen die Menschen aktiv über die Organspende informieren, Vorurteile abbauen und sie davon überzeugen, dass sie nach ihrem Tod anderen Menschen Leben schenken können“, sagte Kammer­präsident Frank Ulrich Montgomery. 

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Der Ärztepräsident begrüßte erneut den Beschluss des Bundestags für eine sogenannte Entscheidungslösung. „Angesichts des großen Bedarfs an Spenderorganen ist es unerlässlich, dass eine Erklärung zur Organspende regelmäßig nachgefragt wird“, unterstrich Montgomery.

Mit einem Organspende-Ausweis könne man nicht nur anderen helfen, sondern nehme auch seinen Angehörigen eine schwierige Entscheidung ab. Gleichzeitig betonte er die Notwendigkeit, dass sich Bürger für oder gegen eine Organspende frei entscheiden können und forderte, Ärzte als fachlich qualifizierte Ansprechpartner für Fragen der Organspende gesetzlich vorzusehen.

Laut Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) ist die Zahl der Spenderorgane seit Jahresbeginn bundesweit wieder leicht angestiegen. Demnach gab es zwischen Januar und April 368 Organspender und 1.218 postmortale Spenderorgane. Im Vergleichszeitrum des Vorjahres hatten 366 Verstorbene 1.167 Organe weiter­gegeben.

Derzeit warten in Deutschland immer noch mehr als 12.000 Menschen auf ein lebensrettendes Organ. Jährlich sterben 1 000 von ihnen, weil sich kein passendes Spenderorgan finden lässt. „Um die Bereitschaft zur Organspende zu steigern, muss dieses lebenswichtige Thema noch stärker in das Bewusstsein unserer Gesellschaft gerückt werden“, erklärte BÄK-Chef Montgomery. © hil/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Montag, 4. Juni 2012, 14:48

N i c h t das einzige Problem !

Organtransplantationen sind nicht die letzten logistischen und medizinischen Herausforderungen unserer Zeit. Im Zusammenhang mit Gesundheit und Krankheit gibt es in den heute reichen Industrieländern viele populäre Probleme und durch gesteigerte Lebenserwartung privilegierte Paradigmen wie Krebs, Adipositas, metabolisches Syndrom, Diabetes, Polyarthrosen und -arthritis, COPD, Hypertonie, Hypercholesterinämie, KHK und sekundäre vaskuläre Organschädigungen an Nieren, Gehirn bzw. periphere arterielle Verschlusskrankheit pAVK.

Die globalen therapeutischen Herausforderungen sind Infektionskrankheiten wie Malaria, Tuberkulose, Lepra, AIDS, Dengue, Hepatitis, aber auch Systemkrankheiten wie Tumoren, Rheuma, Kollagenosen. Der weltweite Kampf gegen Unterernährung, Kinder- und Müttersterblichkeit und für sauberes Trinkwasser bzw. ausreichende Hygiene findet selten mediale Beachtung und Jubiläumsanlässe wie ein "Tag der Organspende".

Dass alle acht Stunden in Deutschland ein Mensch stirbt, weil sich kein passendes Spenderorgan finden lässt - im Jahr rund 1.000 schwerstkranke Patienten - ist in jedem einzelnen Fall ein verlorener Wettlauf gegen die Zeit und Ansporn zur Organspende-Erklärung. Aber wir sollten uns bemühen, ein ökonomisches, ökologisches u n d empathisches Gefühl dafür zu entwickeln, dass weltweit zig Millionen kranke Menschen sterben müssen, weil ihnen selbst einfachste, aber lebensrettende medizinische und ärztliche Maßnahmen vorenthalten bleiben.

Das ethische Dilemma der Entnahme möglichst vitaler Transplantate zur Rettung von Empfängern bei unwiderruflichem Sterben von Organspendern bleibt. Zugleich mangelt es an bewusster Wahrnehmung der inneren Widersprüche bei den unterschiedlichen Professionen, die den endgültigen Sterbeprozess bei hirntoten Patienten begleiten bzw. aufhalten sollen, bis nach den operativen Organentnahmen die Apparatemedizin abgeschaltet, alles weggeräumt und die Organspende durch den Tod besiegelt wird.

Die Transplantationsmedizin steht in e i n e r Reihe von vielen, paradigmatischen Herausforderungen in der Humanmedizin, aber nicht als 'primus inter pares'.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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