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Schmerzmittel-Abusus von Fußballprofis

Dienstag, 5. Juni 2012

Zürich – Jeder dritte Fußballprofi nimmt vor wichtigen Spielen nichtsteroidale Antiphlo­gistika (NSAID) oder andere Schmerzmittel ein. Dies geht aus einer Studie der FIFA im British Journal of Sports Medicine (2012; doi: 10.1136/bjsports-2011-090806) hervor.

Das Medical Assessment and Research Center der FIFA in Zürich hatte die Mann­schaftsärzte der Teams, die an der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika teilgenommen hatten, um Listen gebeten. Sie sollten alle Medikamenten nennen, die die Profis in den letzten 72 Stunden vor jedem Spiel eingenommen hatten. Ergebnis: 60 Prozent der Profis hatten wenigstens einmal Schmerzmittel eingenommen, 39 Prozent der Fußballer griffen sogar vor jedem Spiel danach.

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Die Medikamenteneinnahme stieg im Verlauf des Turniers an. Am meisten Medikamente wurden vor den Finalspielen eingenommen, berichtet Philippe Matthias Tscholl von der Schulthess Klinik in Zürich, wo das Forschungszentrum der FIFA angesiedelt ist. An häufigsten nahmen die Kicker aus Nord- und Südamerika Schmerzmittel ein. Der Verbrauch war laut Tscholl doppelt so hoch wie bei Fußballern anderer Kontinente.

Der systematische Einsatz von Schmerzmitteln sei in vielen Teams die Norm, beklagt Tscholl, der von einer „potenziell katastrophalen Praxis“ spricht. Die meisten Sportler griffen zu NSAID, die eine entzündungshemmende Wirkung haben und zur Behandlung von Sportverletzungen eingesetzt werden.

Der regelmäßige und unkritische Einnahme stellte für den medizinischen Chef-Koor­dinator der FIFA, Jiri Dvorak, jedoch einen Missbrauch dar. Die Bezeichnung Abusus sei angesichts der Dimensionen gerechtfertigt, sagte Dvorak gegenüber der BBC.

Der Sender erinnert an den Fall des ehemaligen Werder-Profis Ivan Klasnic, der 2007 wegen einer Niereninsuffizienz transplantiert wurde (und später gegen die Vereinsärzte klagte). NSAID stehen im Verdacht eine Analgetika-Nephropathie auszulösen. Das Risiko steigt bei einer Vorschädigung der Nieren. © rme/aerzteblatt.de

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