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Endokarditis: Antibiotika beim Zahnarzt meistens unnötig

Dienstag, 12. Juni 2012

Rochester – Die Einschränkung der Antibiotika-Prophylaxe vor zahnärztlichen Eingriffen hat in den USA nicht zu der befürchteten Zunahme von infektiösen Endokarditiden geführt. Dies geht aus einer Studie in Circulation (2012: doi: 10.1161/​CIRCULATIONAHA.112.095281) hervor, die die Leitlinien der American Heart Association aus dem Jahr 2007 bestätigt.

Die infektiöse Endokarditis ist auch heute noch eine gefürchtete Komplikation einer Bakteriämie. Ihre Inzidenz ist jedoch – aus nicht restlos bekannten Gründen – in den letzten Jahrzehnten gesunken. Auch das Risiko, das von kleineren invasiven Eingriffen, etwa beim Zahnarzt, ausgeht, wird heute geringer eingeschätzt als in den ersten Jahrzehnten nach Einführung der Antibiotika.

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Die American Heart Association hatte erstmals 1955 Empfehlungen herausgegeben. Sie führten dazu, dass Zahnärzte vor Zahnextraktionen und Wurzelbehandlungen regelmäßig eine Antibiotika-Prophylaxe durchführten. Das wird heute nicht mehr als notwendig angesehen. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie gibt das absolute Risiko einer infektiösen Endokarditis nach einer Zahnbehandlung in der Normalbevölkerung mit 1: 14 Millionen an. Es ist damit niedriger als die Inzidenz von tödlichen anaphylaktischen Reaktionen unter Penicillinen, deren Inzidenz 15–25/1.000.000 Patienten betragen soll.

Im Jahr 2007 hat der US-Kardiologenverband die Empfehlungen deshalb radikal eingeschränkt. Seither sollen die Zahnärzte nur noch bei Patienten mit erhöhtem Risiko (zum Beispiel angeborener Herzfehler, Herzklappenträger, Patienten mit Endokarditisrezidiv, Herztransplantierte mit Valvulopathie) eine Antibiotikaprophylaxe erhalten. Diese Einschränkung war nicht unumstritten, doch der befürchtete Anstieg von infektiösen Endokarditiden ist in den USA ausgeblieben, wie Daniel DeSimone von der Mayo Clinic in Rochester und Mitarbeiter jetzt berichten.

Die Forscher haben zwei Datenquellen ausgewertet. Das Rochester Epidemiology Project erfasst seit den 1970er Jahren alle Krankenakten der Einwohner des Olmstedt Countys in der Umgebung der Mayo Clinic. Bis zur Einführung der neuen Empfehlungen hatte es dort 150 Fälle einer Infektiösen Endokarditis gegeben.

Die Inzidenz der Infektiösen Endokarditis mit Erreger aus der Gruppe von Streptococcus viridans (VGS-IE) war während dieser Zeit gesunken. Im Zeitraum vor den neuen Leitlinien lag er bei 2,48 pro 100.000 Personenjahre. Seit 2007 ist die Inzidenz weiter auf 0,77 pro 100.000 Personenjahre abgefallen. Eine Trendwende war also nicht zu erkennen.

Auch im Nationwide Inpatient Sample, der seit 1988 die Klinikentlassungsdiagnosen aus etwa einem Fünftel aller US-Kliniken umfasst, fanden die Forscher keinen Hinweis für eine steigende Zahl von VGS-IE. Die Gesamtzahl der VGS-IE ist in den USA zuletzt von 15.300-17.400 (in 1999-2006 vor der neuen Leitlinie) auf 14.700-15.500 (in 2007-09) gefallen, was ebenfalls dem langfristigen Trend entspricht.

DeSimone hofft, dass die Zahlen den Zahnärzten die Angst nehmen wird, ihre Patienten durch den Verzicht auf eine Antibiotika einer potenziellen lebensgefährlichen Infektion auszusetzen. Die Gefahr einer VGS-IE sei heute bei Patienten ohne Risiko gering und sie könne durch eine Antibiotikaprophylaxe vermutlich nicht weiter gesenkt werden. © rme/aerzteblatt.de

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