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WHO: Dieselabgase können Lungen- und Blasenkrebs auslösen

Mittwoch, 13. Juni 2012

Lyon – Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Dieselabgase zum Karzinogen der Gruppe 1 heraufgestuft. Nach Ansicht der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) in Lyon, die für die WHO die Bewertung vornimmt, ist es hinlänglich erwiesen (sufficient evidence), dass Dieselabgase Lungenkrebs auslösen können. Für Blasenkrebs gebe es eingeschränkte Hinweise (limited evidence). Benzin wird weiterhin als Karzinogen der Gruppe 2B eingestuft. Die Neueinstufung von Dieselabgasen ist in erster Linie für die Arbeitsmedizin von Bedeutung.

Zuletzt hatte die IARC 1988 Dieselabgase in die Gruppe 2B als mögliches Karzinogen bewertet. Die Hochstufung wurde jetzt vor allem durch zwei Studie des US-National Cancer Institute angeregt. Dort hatten Debra Silverman und Mitarbeiter nachgewiesen, dass Minenarbeiter, die unter Tage über lange Jahre Dieselabgasen ausgesetzt waren, in Abhängigkeit zur Expositionsdosis bis zu siebenfach häufiger an Lungenkrebs erkrankten (JNCI 2012; 104: 855-868 und 869-883).

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Die Epidemiologin Lesley Rushton vom Imperial College London vermutetet im begleitenden Editorial, dass die in den Dieselabgasen enthaltenen polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAH) für die Krebsinduktion verantwortlich sind (JNCI 2012; 104: 796-797). PAH-Metabolite werden über die Nieren ausgeschieden. Die Exposition des Urothels könnte dann die erhöhte Rate von Blasenkrebs unter Arbeitern erklären, die mit Dieselabgasen exponiert sind (Br J Cancer 2010; 102, 1428–1437).

Eine erhöhte berufliche Exposition gegenüber Dieselabgasen besteht für verschiedene Gruppen im Transportgewerbe (etwa Arbeiter auf Diesellokomotiven oder auf Schiffen) sowie in Bereichen, in denen Dieselgeneratoren eingesetzt werden. Im Prinzip ist auch die Allgemeinbevölkerung exponiert, doch die Menge der inhalierten Abgase dürfte hier wesentlich geringer sein.

Gegen eine allzu große Gefährdung der Allgemeinbevölkerung spricht auch, dass der Schwefelgehalt gesenkt wurde, die Abgase besser gefiltert werden und der Diesel in modernen Motoren vollständiger verbrennt. Zur Gefährdung der Allgemeinbevölkerung liegen derzeit offenbar keine sicheren Erkenntnisse vor.

Kurt Straif, der beim IARC die Abteilung für die Monographien leitet, will aber nicht ausschließen, dass künftige Studien ein solches Risiko für die Allgemeinbevölkerung aufzeigen könnten. Auch bei anderen Karzinogenen wie Radon sei zunächst ein Risiko für beruflich exponierte Personen nachgewiesen worden. Später habe es dann positive Ergebnisse zur Allgemeinbevölkerung gegeben. Einzelheiten zu der neuen Bewertung von Dieselabgasen werden am 15. Juni in Lancet Oncology veröffentlicht. © rme/aerzteblatt.de

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