Medizin

Pfortader-Bypass aus Stammzellen transplantiert

Donnerstag, 14. Juni 2012

Göteborg – Schwedische Chirurgen haben ein 10-jähriges Mädchen mit einem extrahepatischen Pfortaderverschluss (im zweiten Versuch) erfolgreich mit einem Venentransplantat versorgt, das zuvor mit den Stammzellen der Patientin besiedelt worden war. Laut dem Bericht im Lancet (2012; doi: 10.1016/S0140-6736(12)60633-3) benötigt das Mädchen keine Immunsuppressiva.

Die Patientin hatte vermutlich bereits im Alter von einem Jahr eine Pfortaderthrombose erlitten. Die Leber blieb zwar unbeschädigt, doch im Alter von 9 Jahren hatten sich Ösophagusvarizen und eine Splenomegalie entwickelt. Die Chirurgen planten deshalb eine Bypass-Operation, um den verschlossenen Abschnitt der Pfortader durch eine Vene zu umgehen.

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Es stellte sich jedoch heraus, dass die zu diesem Zweck normalerweise verwendete Vena umbilicalis nicht durchgängig war. In diesem Fall hätten die Chirurgen auf eine Vene aus dem Halsbereich oder dem Bein zurückgreifen müssen. Bei einem Verzicht auf eine Operation wäre früher oder später eine Lebertransplantation notwendig geworden.

Mit Rücksicht auf das junge Alter der Patientin entschieden sich Michael Olausson von der Sahlgrenska Universität in Göteborg und Mitarbeiter für die Transplantation einer Vene, die sie einem 30-jährigen Organspender entnahmen. Damit die Patientin später nicht lebenslang Immunsuppressiva einnehmen muss, wurde das Transplantat zunächst mit Enzymen von allen Zellen des Spenders befreit, so dass nur noch ein Bindegewebsgerüst übrig blieb.

Dieses Gerüst wurde danach in einem Inkubator mit Endothelien und glatten Muskelzellen der Patientin besiedelt. Die Zellen hatten die Forscher aus Stammzellen gezüchtet, die sie der Patientin per Knochenmarkpunktion entnommen hatten. Mit einem ähnlichen Verfahren hatten spanische Chirurgen 2008 eine allogene Trachea transplantiert, ohne dass die Patientin danach Immunsuppressiva einnehmen musste. Im letzten Jahr hatten Chirurgen in Stockholm auf ähnliche Weise eine synthetische Trachea auf eine Implantation vorbereitet.

Bei der 10-jährigen Patientin gelang die Operation erst im zweiten Anlauf. Der erste Bypass wurde beim Durchtritt durch das Mesocolon abgedrückt. Es gelang zwar die Engstelle zu beseitigen. Danach erwies sich das Bypass aber als zu kurz, so dass sich die Chirurgen für eine Verlängerung durch ein zweites Transplantat entschieden. Diese Operation war erfolgreich und nach Auskunft von Olausson wurde ein ausreichender Blutfluss in der Pfortader erzielt.

Die Patientin hat sich seither von der krankheitsbedingten Entwicklungsstörung körperlich und mental erholt. Und sie benötigt heute keine Immunsuppressiva. Die schwedischen Mediziner erwarten, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird. Denn nach etwa 3 bis 4 Monaten hat der Körper das allogene Gerüst vollständig resorbiert und durch ein eigenes Bindegewebe ersetzt. © rme/aerzteblatt.de

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