Politik

Bundesrat billigt Neuregelung der Organspende

Freitag, 15. Juni 2012

Berlin – Die Menschen in Deutschland sollen sich künftig stärker mit dem Thema Organspende befassen. Die parteiübergreifend unterstützte Neuregelung der Organspende nahm am Freitag im Bundesrat die letzte parlamentarische Hürde. Damit wird jeder Bürger ab 16 Jahre künftig regelmäßig per Brief aufgefordert, eine Erklärung über seine Bereitschaft zur Organspende abzugeben. Die Erklärung bleibt aber freiwillig.  

Der sogenannten Entscheidungslösung ging eine jahrelange politische Debatte voraus. Sie stützt sich auf einen fraktionsübergreifenden Kompromiss im Bundestag, der die Neuregelung im Mai verabschiedet hatte.

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Noch in diesem Jahr sollen die Bürger von ihrer Krankenkasse erstmals schriftlich über die Organspende informiert und zur Abgabe einer Erklärung aufgefordert werden; ein Organspendeausweis wird gleich mitgeschickt. Auch die Behörden werden bei der Ausgabe von amtlichen Ausweisen Infomaterial mit auf den Weg geben. Ziel ist es, die Zahl der Spenderorgane zu erhöhen. Die Organspendebereitschaft soll auch auf der elektronischen Gesundheitskarte gespeichert werden.

Die Redner im Bundesrat betonten am Freitag, dass die Organspende freiwillig bleibe. Die Bürger würden nicht gezwungen, eine Erklärung zu ihrer Spendebereitschaft abzugeben, sagte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP). „Wir akzeptieren, dass Menschen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt noch nicht entscheiden können.“ Der baden-württembergische Bundesrats-Minister Peter Friedrich (SPD) betonte: „Die Organspende bleibt immer ein freiwilliges Geschenk der Spender.“

Bundesweit stehen derzeit rund 12.000 schwer kranke Menschen auf der Warteliste für eine Transplantation. „Viele Menschen warten viel zu lange und leider oft vergebens“, sagte Minister Bahr im Bundesrat.

Alle acht Stunden stirbt nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) eine Mensch auf der Warteliste, weil nicht rechtzeitig ein passendes Organ zur Verfügung steht. Im Jahr 2011 spendeten rund 1200 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe, das waren rund sieben Prozent weniger als im Jahr davor. In der Folge sank 2011 auch die Zahl der gespendeten Organe von rund 4.200 auf mehr als 3.900. © afp/aerzteblatt.de

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dr.med.thomas.g.schaetzler
am Sonntag, 17. Juni 2012, 01:20

Organspende ohne Ende ?

Nach monatelanger öffentlicher Diskussion, einer Medien-'Hype' um die Organspende und nach fraktionsübergreifenden Debatten ist dem Bundestag als gesetzgebendem Organ und der zustimmungspflichtigen Ländervertretung, dem Bundesrat, immer noch nicht klar, worum es geht. Explantationen von Spenderorganen werden nicht n a c h dem Tod vorgenommen, sondern n a c h den mittlerweile 15 Jahre alten Hirntodkriterien der Bundesärztekammer (BÄK). "Todesbescheinigung NRW"-Vordrucke sehen bei "Sichere Zeichen des Todes" zwar Fragen nach "Totenflecke, Totenstarre, Fäulnis, Hirntod, nicht mit dem Leben vereinbare Verletzungen" unter Frage "11" - "Vertraulicher Teil" und "Reanimationsbehandlung durchgeführt" bei Frage "12" vor.

Aber in der Realität liegt ein Mensch als Patient/in mit unwiderruflichem Sterbeprozess und mit erfüllten Hirntodkriterien auf der Intensivstation, wird fortlaufend mit Katecholaminen perfundiert und maschinell beatmet, damit gerade n i c h t die begehrten Spenderorgane absterben. Die Entnahme möglichst vitaler und medizinisch vitalisierter Organe zur Rettung von Organempfängern bei unwiderruflichem Sterben des Organspenders beinhaltet doch d e n entscheidenden Zielkonflikt. Zugleich brauchen potentielle Transplantatempfänger bei lebensbedrohlicher Zuspitzung ihrer Krankheiten auch intensivmedizinische Betreuung und OP-Vorbereitung. Diese ethische Problematik kann man doch nicht ernsthaft dadurch lösen wollen, dass man die gesamte Bevölkerung unreflektiert mit Organspende Ausweisen, Informations- und Werbematerial zuschüttet; auch noch wiederholt alle 2 Jahre durch die gesetzlichen und privaten Krankenkassen bzw. bei der Ausgabe von Ausweisen und Pässen.

Vielleicht sollte man bessere bio-psycho-soziale Rahmenbedingungen für diejenigen schaffen, die in Intensivpflege, im OP und ärztlichen Dienst, in der Technik/Logistik bei Explantation, Transplantation und Implantation einerseits den endgültigen Sterbeprozess bei hirntoten Organspendern aufhalten, andererseits bei Organempfängern unter dem Druck enger Zeitfenster, drohendem Transplantatversagen und möglichen intraoperativen Komplikationen medizinische Maximalversorgung in der Transplantationschirurgie sicherstellen müssen. Einfach bei A l l e n, die mit Transplantationsmedizin befasst sind, fundierte Fragen stellen, empathisch Zuhören, Respekt und Anerkennung zollen, statt mit bunten Hochglanzprospekten um sich zu werfen. Alles nur, weil man schlichtweg selbst massive Ängste verspürt, sich mit diesen existenziellen medizinischen Grenzfragen inhaltlich und emotional auseinanderzusetzen oder noch nie beim Sterben wirklich dabei war. Und man sollte wirklich nicht so tun, als seien Organtransplantationen bzw. die zu geringe Zahl potentieller Organspender/innen die einzigen und letzten bedeutenden medizinischen Herausforderungen unserer Zeit.

Mf+kG, Dr. med-. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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