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Operations­häufigkeit: Qualitäts­diskussion angemahnt

Freitag, 15. Juni 2012

Berlin – Operieren Deutschlands Ärzte zu häufig? Zumindest lässt sich das statistisch keineswegs belegen. So lautete das Fazit von Julia Seifert vom Unfallkrankenhaus Berlin, die heute auf dem Hauptstadtkongress Medizin und Gesundheit in Berlin empirische Daten zur OP-Häufigkeit vorgestellt hat.

Im internationalen Vergleich liege die OP-Frequenz in Deutschland zwar 1,2 bis 1,7-fach über dem Jahresmittel anderer europäischer Länder. Doch daraus lasse sich nicht ableiten, dass hierzulande zu viel operiert werde, sagte sie. Als Gründe für den „tatsächlich stattgefundenen“ Anstieg der Frequenzen in Deutschland nannte Seifert die demografische Entwicklung, eine sensitivere Diagnostik sowie den im internationalen Vergleich sehr einfachen Zugang zu medizinischen Behandlungen.

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„An der Zunahme der OP-Frequenz lasse sich keineswegs automatisch erkennen, dass sich etwas negativ verändert hat“, unterstrich Bertram Häussler, Geschäftsführer des IGES Instituts. Zudem könne der Bedarf nie genau errechnet werden.

Aus Sicht des Präsidenten der Ärztekammer Berlin, Günther Jonitz, können die Ärzte­kammern „im Prinzip“ zwar helfen, nicht indizierte Operationen zu vermeiden. Diese Steuerung gelinge aber nur sehr begrenzt, räumte er ein. Extreme finanzielle Anreize förderten eben extreme Verzerrungen. „Die Spielregeln bestimmt das Spiel, nicht die Spieler“, sagte er weiter. Statt eines Preiswettbewerbs forderte Jonitz deshalb einen Qualitätswettbewerb. Zunächst müsse es darum gehen, Werte darzulegen, um dann über Preise verhandeln zu können.

„Als Patient kann man Gegenstand ökonomischer Interessen werden und Gegenstand einer aufgeweichten Indikationsstellung“, kritisierte so auch Uwe Deh, Vorstand des AOK-Bundesverbandes. Um einer zu hohen OP-Häufigkeit entgegenzuwirken, solle die Krankenhausfinanzierung stärker auf die Qualität der medizinischen Versorgung ausgerichtet werden. „Wir brauchen zunächst eine Qualitätsdiskussion, erst danach können wir ökonomische Anreize setzen.“ © sg/aerzteblatt.de

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