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Cholesterin mildert angeborene Hirnerkrankung

Montag, 18. Juni 2012

Göttingen – Mäuse mit dem Pelizaeus-Merzbacher-Syndrom überleben die angeborene Hirnerkrankung, wenn sie frühzeitig mit einer cholesterinreichen Diät behandelt werden. Ob die in Nature Medicine (2012; doi: 10.1038/nm.2833) vorgestellte Therapie auch beim Menschen wirksam wäre, ist unbekannt. Cholesterin hat unter Ernährungs­wissenschaftlern einen schlechten Ruf. Dabei ist es ein essenzieller Bestandteil von Zellmembranen. Besonders hoch ist der Bedarf in den Nervenzellen, die von einer Myelinscheide umgeben sind. Cholesterin ist hier ein wichtiger Bestandteil.

Beim Pelizaeus-Merzbacher-Syndrom ist die Bildung von Myelin gestört. Die häufigste Ursache dieser X-chromosomalen Erkrankung ist eine Duplikation des Gens PLP1 (proteolipid protein gene 1). Sie hat eine Überproduktion des Myelinproteins PLP zur Folge. Es kommt zu einem Aufstau von PLP, das dann in den Lysosomen abgelagert ist. Dadurch wird die Nervenzelle irreversibel geschädigt. Der Ausfall der Nerven führt zu Nystagmus, spastische Quadriplegie, Ataxie und Entwicklungsstörungen, die das Pelizaeus-Merzbacher-Syndrom kennzeichnen.

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Eine kausale Therapie gibt es derzeit nicht, aber Dr. Gesine Saher und Prof. Klaus Nave vom Max-Planck-Institut für Experimentelle Medizin in Göttingen sind jetzt auf eine mögliche Behandlung gestoßen. Bei ihren Experimenten mit einem Mäusemodell fiel ihnen auf, dass ein Überangebot von Cholesterin den Transport von PLP an die Zelloberfläche und den Einbau in die Myelinscheiden beschleunigt. Sie fütterten daraufhin Versuchstiere mit einer Cholesterin-reichen Diät.

Dies verhinderte tatsächlich, dass sich PLP im Zellinneren aufstaute und in den Lysosomen abgelagert wurde. Das Protein wurde stattdessen vermehr in die Myelinscheiden eingebaut. Die einzelnen Nervenzellen überlebten und die Tiere entwickelten kein  Pelizaeus-Merzbacher-Syndrom. Die Behandlung zeigte sogar bei Tieren Wirkung, die schon erste Symptome des Pelizaeus-Merzbacher-Syndroms hatten. Unter der Therapie kam es zu keinen weiteren Lähmungserscheinungen, berichtet das Team.

Ob die Therapie auch bei Patienten mit Pelizaeus-Merzbacher Krankheit wirksam wäre, kann auch den experimentellen Studien natürlich nicht abgeleitet werden. Aufgrund der Pathogenese müsste die Ernährungstherapie frühzeitig begonnen und dann bis ins Erwachsenenalter fortgesetzt werden, solange im Gehirn neue Neurone gebildet werden. © rme/aerzteblatt.de

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