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Besorgniserregender Anstieg der Syphilis

Montag, 18. Juni 2012

Berlin – Die Zahl der Syphiliserkrankungen ist im letzten Jahr um fast 22 Prozent gestiegen. Getrieben wird die derzeitige Epidemie laut einem Bericht im Epidemiologischen Bulletin (2012; 24: 221-223) vor allem durch Männer, die Sex mit Männern (MSM) haben. In Dortmund und Bremerhaven ist es jedoch jüngst auch zu Ausbrüchen bei heterosexuellen Frauen und Männern gekommen.

Im Jahr 2011 wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) bundesweit 3.698 Syphilis-Neuerkrankungen gemeldet (2010: 3033 Fälle). Dies entspricht einer Inzidenz von 4,5 Infektionen auf 100.000 Einwohner, der höchsten Inzidenz seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) im Jahr 2001. Viviane Bremer und Mitarbeiter vom RKI beschreiben den Anstieg als besorgniserregend, zumal die ersten beiden Monate in 2012 zeigen, dass sich der Trend offenbar fortsetzt.

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Nach den Recherchen, die das Robert-Koch-Institut bei allen Meldungen anstellen lässt, traten 2011 vier von fünf Syphilis-Infektionen (83,9 Prozent) bei MSM auf. Dies erklärt auch, warum die Inzidenz in den Großstädten mit den größten Communities von MSM am höchsten ist. Im Jahr 2011 führte Köln die Rangliste mit 24,0 auf 100.000 Einwohner an vor Frankfurt (21,0) Berlin (18,0), München (17,3) und Hamburg (13,3).

Die nahe liegende Erklärung für den Anstieg der Syphilis ist ein geändertes sexuelles Verhalten mit vermehrten ungeschützten Kontakten, was laut Bremer jedoch noch durch Verhaltensstudien bestätigt werden müsste. Besorgniserregend ist der Anstieg, weil bei einer Syphilis mit seinen die Schleimhautbarriere durchbrechenden Läsionen das Risiko einer HIV-Übertragung steigt. MSM mit hohen Partnerzahlen sollten daher regelmäßig auf Syphilis und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) untersucht werden, rät die RKI-Mitarbeiterin.

Der vergleichsweise geringe Anteil von heterosexuell erworbenen Infektionen schließt diesen Ansteckungsweg jedoch nicht aus. Kleine Ausbrüche gehen hier häufig von infizierten Prostituierten aus. Einen solchen (noch unbewiesenen) Verdacht hat das RKI bei einem Cluster, zu dem es 2011 unter heterosexuellen Frauen und Männern in Dortmund gekommen war. Dort war die Zahl der Syphilis-Diagnosen bei Frauen von 2 im Jahr 2009 auf 10 im Jahr 2010 und 23 im Jahr 2011 angestiegen. Gleichzeitig stieg die Anzahl der Diagnosen bei heterosexuellen Männern im Jahr 2011 auf 18 an. Fast die Hälfte der Fälle wurde zwischen Juli und September erworben.

In Bremerhaven konnte ein Cluster vermutlich deshalb frühzeitig entdeckt werden, da ein Infizierter die STD-Beratungsstelle des dortigen Gesundheitsamts aufgesucht hatte. Wie die Recherchen ergaben, hatte er die Syphilis bei seiner Ehefrau erworben, die als Prostituierte noch mehrere andere Männer angesteckt hatte. © rme/aerzteblatt.de

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