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Bakterien helfen dem Körper im Kampf gegen Viren

Mittwoch, 20. Juni 2012

Philadelphia – Bakterien wie die Gattung Bacteroides, die auch als Kommensale bezeichnet werden, sind nicht nur Nutznießer des menschlichen Wirtsorganismus, sondern verteidigen den Körper auch gegen virale Infektionen. Das haben Wissen­schaftler der University of Pennsylvania unter der Leitung von David Artis heraus­gefunden und im Fachmagazin Immunity (10.1016/j.immuni.2012.04.01) publiziert. Zwar können die Autoren den genauen Mechanismus nicht erklären, wissen jedoch, dass die Anwesenheit der kommensalen Bakterien das Immunsystem stärkt.

Im Gegensatz zu Parasiten sind Kommensale Keime, die zwar im Wirtsorganismus leben, diesen aber nicht direkt schädigen. Die im menschlichen Darm zahlreich vorkommenden Bacteroides beispielsweise profitieren nicht nur von den günstigen Lebensbedingungen wie Temperatur oder pH-Wert, sondern auch von den passierenden Nahrungs­bestandteilen. Darüber hinaus fermentieren die Bakterien die Nahrung und sind insgesamt für den Menschen nicht notwendig gefährlich. Allerdings können sie im Rahmen einer allgemeinen Immunschwäche oder nach Operationen pathogen werden.

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Vorherige Studien zeigen laut den Autoren außerdem, dass die Besiedlung mit Kommensalen mit verschiedenen Erkrankungen assoziiert sein kann. So steht eine Veränderung der Keimbesiedlung mit Bacteroides mit Diabetes, Adipositas, Tumoren, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder Allergien im Zusammenhang. Dennoch sei bislang nicht geklärt, welchen Einfluss diese Bakterien auf das Immunsystem haben können.

In ihrem Experiment stellten die Wissenschaftler aus Philadelphia zunächst fest, dass Mäuse, die mit gegen Kommensale wirksamen Antibiotika behandelt wurden, nur eingeschränkt gegen Virusinfektionen vorgehen konnten. Bei diesen Mäusen wurden Viren, die den Atemtrakt befallen hatten, unter der Antibiotikatherapie erheblich später eliminiert und konnten länger im Körper nachgewiesen werden als bei nicht behandelten Tieren. In einem zweiten Experiment starben die Mäuse mit den Medikamenten gegen die kommensalen Bakterien früher an dem Influenza-Virus, den die Forscher den Mäusen vorher verabreicht hatten.

Daraus schlossen sie, dass eine Manipulation der Lebensbedingungen der kommensalen Bakterien erhebliche Folgen für das Abwehrsystem gegen Viren hat. Schließlich konnten sie ihre Beobachtungen auch mit experimentellen Untersuchungen bestätigen und fanden heraus, dass die Makrophagen der mit den Antibiotika behandelten Mäuse nicht adäquat auf Interferon reagieren. © hil/aerzteblatt.de

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