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„Wir sind mit Lieferengpässen konfrontiert“

Freitag, 22. Juni 2012

Berlin – Lieferengpässe bei Medikamenten bemängelte jüngst der Verband deutscher Krankenhausapotheker. Auch der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie sprach von einem anwachsenden Problem.

Fünf Fragen an Wolf-Dieter Ludwig, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ).

DÄ: Sind Lieferengpässe bei Arzneimitteln ein echtes Problem in der Klinik oder wird hier übertrieben?

Ludwig: Über Lieferschwierigkeiten bei Arzneimitteln, vor allem in den USA, berichten internationale medizinische Fachzeitschriften bereits seit 2011. Inzwischen ist dieses Problem auch im klinischen Alltag in Deutschland angekommen, wenn auch die Situation hier (noch) nicht so dramatisch ist wie in den USA – mit Lieferengpässen bei mehr als 250 Medikamenten.

DÄ: In welchen Bereichen gibt es Probleme bei der Versorgung mit Arzneimitteln?

Ludwig: Wir erleben derzeit Lieferschwierigkeiten vor allem bei onkologischen Wirkstoffen, aber auch bei Antibiotika.

DÄ: Hat das Folgen für die Therapie der Patienten oder ist das eher ein Problem der Lieferkette, das letztlich nicht bis auf den Patienten durchschlägt?

Ludwig: Es ist bereits vorgekommen, dass wir Therapien in der Onkologie wegen nicht lieferbarer Zytostatika verschieben mussten. Auch wenn spezielle Antibiotika oder Antimykotika nicht zur Verfügung stehen, kann dies die optimale Versorgung von Patienten gefährden.

DÄ: Wo sehen Sie die Ursachen für die Versorgungsschwierigkeiten?

Ludwig: Die Ursachen sind vielfältig. Häufig können die Hersteller die nötigen Qualitäts­standards nicht einhalten. Gibt es weltweit dann nur wenige Produktionsstätten – vielleicht gar nur eine – dann kommt es zu Lieferschwierigkeiten, wenn Chargen der Medikamente verunreinigt sind oder andere Qualitätsmängel aufweisen. Ein anderes Problem ist, dass manchmal Ausgangsmaterial für Medikamente nicht ausreichend zur Verfügung steht und die Arzneimittel daher nicht produziert werden können. Schließlich spielen sicherlich auch ökonomische Gründe eine Rolle. Die Margen sind gerade bei Generika oft so gering, dass die Hersteller versuchen, durch Reduktion der Lager­haltung und Schließung von Produktionsanlagen Kosten einzusparen.

DÄ: Was fordert die Ärzteschaft?

Ludwig: Die Pharmahersteller müssen dafür Sorge tragen, dass sie ein Medikament auch bereitstellen können, wenn sie die Zulassung dafür erhalten. Im Fall von drohenden Lieferengpässen muss sehr frühzeitig darüber informiert werden, damit Apotheker und Ärzte sich darauf einstellen können. Aktuelle Informationen zu den von Lieferengpässen betroffenen Arzneimitteln sollten, wie in den USA, die Bundesoberbehörden zur Verfügung stellen. © hil/aerzteblatt.de

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