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Dicke Kinder: Gemeindeschwester mit Überzeugungs­problemen

Freitag, 29. Juni 2012

Sydney – Acht Mal haben Gemeindeschwestern im „Healthy Beginnings Trial“ junge Mütter aus den Armenbezirken der größten Stadt Australiens besucht, um die Startchancen der Erstgeborenen in den ersten beiden Lebensjahren zu verbessern. Doch die Argumente für eine gesündere Ernährung und mehr Bewegung der Jüngsten fruchteten wenig. Nach den jetzt im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2012; 344: e3732) vorgestellten Ergebnissen konnte die Adipositas-Rate im Alter von 2 Jahren nur geringfügig gesenkt werden.

In Australien ist eines von fünf Kindern bereits im Alter von 2 bis 3 Jahren zu dick. Verantwortlich ist eine vor allem in ärmeren und bildungsfernen Bevölkerungsschichten verbreitete ungesunde Lebensweise. Die Kinder werden nicht mehr gestillt und mit Süßgetränken verwöhnt. Die Ernährung basiert bald auf Fastfood, und der Fernseher wird großzügig in die Erziehungsarbeit eingebunden.

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Um dies zu ändern, erhielten in einer randomisierten Studie der Sydney School of Public Health die Hälfte der Mütter in den ersten beiden Lebensjahren acht Mal Besuch von einer Gemeindeschwester. Diese versuchte die Mütter zu motivieren ihr Kind zu stillen, in den ersten 6 Monaten keine festen Nahrungsmittel zuzufüttern, später täglich auf Obst und Gemüse zu anzubieten und den Kindern nur Wasser gegen den Durst zu geben. Die Fernsehzeiten sollten eingeschränkt und Spielzeiten (tummy time) eingeführt werden. Die zweite Hälfte der Mütter wurde von der Gemeindeschwester nur zum Zweck der Befragung aufgesucht.

Der Einfluss der Gemeindeschwester auf die Mütter war begrenzt. Im letzten Jahr hatte Li Ming Wen in den Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine (2011; 165: 701-707) berichtet, dass der Anteil der Kinder, die bis zum 6. Lebensmonat gestillt wurden, gerade einmal von 2,1 auf 4,3 Prozent erhöht wurde. Auch in den anderen Aspekten war das Beharrungsvermögen oft stärker als die Ratschläge der Gemeindeschwester. Der Anteil der Mütter, die zu früh feste Nahrung fütterten, ging nur von 74 auf 62 Prozent zurück. Noch immer durften 35 Prozent der Kleinkinder zum Einschlafen an einer Babyflasche (mit süßem) saugen gegenüber 44 Prozent, und auch die „tummy time“ wurde nur unwesentlich verlängert.

Dies ließ nicht erwarten, dass die Interventionen der Gemeindeschwestern ihr Ziel erreichen und die Zahl der übergewichtigen Kinder im Alter von 2 Jahren wesentlich verringern würde. Immerhin kann Wen jetzt melden, dass der mittlere BMI von 16,87 auf 16,49 gesenkt wurde (Normalbereich im Alter von 24 Monaten ist 14-18 für Jungen und 13-18 für Mädchen). Der Anteil der übergewichtigen Kinder wurde von 14,1 auf 11,2 Prozent gesenkt.

Die Unterschiede waren signifikant, doch ob sie den hohen Kostenaufwand für den Einsatz der Gemeindeschwestern rechtfertigen, ist nach Ansicht von Wen nicht sicher. Hinzu kommt, dass nicht alle Familien mit dem Besuch der Gemeindeschwestern einverstanden waren: Von 780 angesprochenen Müttern hatten 113 dies ohne Angaben von Gründen abgelehnt. Es muss befürchtet werden, dass sich darunter gerade die Familien befinden, die am meisten von einer Beratung profitiert hätten. In Deutschland bemüht sich die Stiftung „Eine Chance für Kinder“ um die Betreuung von jungen Müttern. Die Aufgabe der Gemeindeschwester soll in den Projekten von Familienhebammen übernommen werden. © rme/aerzteblatt.de

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