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Geteiltes Echo auf Bahrs Präventions­initiative

Dienstag, 3. Juli 2012

Berlin – Die Initiative von Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), Ärzte zu Vorsorgeuntersuchungen in die Schulen zu schicken, hat bei Ärzten Kritik aber auch Lob ausgelöst. Zwiespältig reagierte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ): „Kinder und Jugendliche haben ein Recht auf evidenzbasierte Vorsorge­unter­suchungen“, sagte deren Vorsitzender Wolfram Hartmann.

Der BVKJ habe dafür ein entsprechendes Vorsorgekonzept entwickelt. Es beruhe auf der Idee der Verhütung von Krankheiten von Anfang an. Eine solche primäre Prävention, bei der es zum Beispiel um gesunde Ernährung zur Verhütung von Übergewicht, um Sprach­anregung zur Vermeidung von Sprachdefiziten oder um kindgerechten Medienkonsum gehe, könne nur zusammen mit den Eltern erfolgreich sein, so Hartmann.

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Der Kinder- und Jugendarzt müsse dabei mit den Eltern über ihr Kind sprechen, Vorsor­ge­untersuchungen in der Schule könnten dies nicht ersetzen, sondern die Vorsorge beim Kinder- und Jugendarzt allenfalls ergänzen. „Wir haben also nichts dagegen, wenn der ÖGD vermehrt in Schulen geht und dort berät – vorausgesetzt Länder und Kommu­nen finanzieren dies und sparen nicht an den übrigen Aufgaben des ÖGD. Aber wir sind strikt dagegen, dass Vorsorgeuntersuchungen in die Schulen verlegt werden“, so der BVKJ-Vorsitzende.

Grundsätzliche Zustimmung zu Bahrs Vorschlägen signalisierte der Hartmannbund. „Diese Variante von Prävention ist als sinnvolle Alternative zur immer wieder diskutierten U–Untersuchung nebst Meldepflicht und anderem bürokratischem Unsinn viel zu lange vernachlässigt worden“, sagte dessen Vorsitzender, Klaus Reinhardt. Er forderte Länder und Kommunen auf, konstruktiv in die vom Minister angekündigten Gespräche zu gehen. „Dieser gute Ansatz darf nicht wieder im föderalen Gerangel ersticken“, sagte er.

Auch die Ärztekammer Berlin begrüßt den Vorschlag grundsätzlich: „Damit könnten bestehende Lücken in der medizinischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen geschlossen werden“, sagte der Kammerpräsident Günther Jonitz. Allerdings stelle sich die Frage, woher die dafür benötigten Ärzte kommen sollen. „Im Öffentlichen Gesund­heits­dienst (ÖGD) wurden über Jahre hinweg Stellen gestrichen.

Jetzt werden wieder händeringend Ärzte benötigt, zugleich weigern sich aber die kommunalen Arbeitgeber, akzeptable Arbeitsbedingungen anzubieten“, betonte Jonitz mit Blick auf das Scheitern des Schlichtungsverfahrens zwischen der Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) und der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). Die kommunalen Arbeitgeber verweigern den ÖGD-Ärzten bis jetzt einen Tarifvertrag. Jonitz betonte, der ÖGD habe in der Prävention und sozialmedizinischen Betreuung der Bevölkerung eine überaus wichtige Rolle – insbesondere in einer Stadt wie Berlin mit großen sozialen Problemen und daraus resultierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Menschen. Der Kammerpräsident forderte Bahr deshalb auf, auf seine Länderkollegen und die Kommunen einzuwirken, den ÖGD aufzuwerten.

Zustimmung zu der Präventionsinitiative äußerte der GKV-Spitzenverband. „Damit kommt die öffentliche Hand ihrer Verpflichtung, im Rahmen der Prävention einen eigenen Anteil zu leisten, besser nach als heute“, sagte dessen Verbandssprecher Florian Lanz der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Auch die SPD begrüßte den Vorstoß, allerdings komme die „Einsicht“ der Bundesre­gierung spät, sagte die Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Carola Reimann (SPD). Bislang habe die schwarz-gelbe Koalition „keine Bereitschaft“ für eine entsprechende Regelung gezeigt. Reimann forderte Bahr auf, nach der Sommerpause im Herbst einen Gesetzesentwurf vorzulegen. „Wir hoffen, dass nach der Ankündigung auch Taten folgen werden“, sagte sie.

„Grundsätzlich nichts einzuwenden“ gegen den Vorschlag hat die gesundheitspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion der Linken, Martina Bunge. „Nur was nützen weitere Untersuchungen, wenn diese Bundesregierung überhaupt nicht bereit ist, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen“, sagte sie. Es sei schon aus den Schuleingangs­unter­suchungen bekannt, dass Kinder aus sozial benachteiligten Familien gesundheitlich hinterherhinkten, weil die Bundesregierung keine flächendeckenden Angebote moderner Gesundheitsförderung schaffe, so ihre Kritik. © hil/aerzteblatt.de

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