6.770 News Politik

Politik

Tarifstreit bei ehemaligen Damp-Kliniken beigelegt

Mittwoch, 4. Juli 2012

Hamburg – Im Tarifkonflikt bei den ehemaligen Damp-Kliniken mit rund 5.600 Beschäf­tigen gibt es eine Einigung. Der neue Betreiber Helios-Kliniken will rund 1.000 Kündi­gungen bei der Zentralen Service Gesellschaft (ZSG) der ehemaligen Damp-Gruppe zurücknehmen. Das Unternehmen und die Gewerkschaft Verdi hätten sich in der Nacht zum Mittwoch auf neue Tarifverträge für die von Helios übernommene Gruppe geeinigt, teilten die Tarifpartner in Hamburg mit.

Zudem hätten sich beide Seiten darauf verständigt, wie die Stilllegung der ZSG erfolge. „Daher werden die ausgesprochenen Kündigungen zurückgenommen", erklärte Helios. Die ZSG-Mitarbeiter erhielten entweder Beschäftigungsmöglichkeiten in künftigen Dienstleistungsgesellschaften oder könnten für bis zu 18 Monate in eine Beschäftigung- und Qualifizierungsgesellschaft wechseln.

„Dieses Ergebnis ist vor allem der Entschlossenheit der Beschäftigten und der Unterstützung von Öffentlichkeit, Patienten und Politik zu verdanken", sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Ellen Paschke. Betriebsbedingte Kündigungen sind für die ZSG-Beschäftigten in den kommenden 18 Monaten ausgeschlossen.

Anzeige

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) begrüßte die Einigung. „Ich freue mich sehr, dass die Beteiligten doch noch auf dem Tarifwege eine gemeinsame Lösung gefunden haben", sagte Albig am Mittwoch in Kiel. Entscheidend sei, dass die Kündigungen von rund 1.000 Mitarbeitern zurückgenommen werden.

Er hätte sich jedoch gewünscht, dass dieses Ergebnis ohne die ungewöhnlich harte Auseinandersetzung zustande gekommen wäre. „Im Konflikt der vergangenen Wochen sind Grenzen überschritten worden, über die niemand gehen soll", sagte Albig.

Der neue Betreiber hatte 1.000 Beschäftigten der ZSG im Juni „vorsorglich" gekündigt und dies mit der Kündigung von Verträgen durch Kliniken der Damp-Gruppe begründet. Wegen eines Streiks könne die ZSG vereinbarte Dienstleistungen nicht mehr erbringen.

Dies war auf massive Kritik von Politik und Gewerkschaften gestoßen. Der DGB sprach von einem „in der Bundesrepublik einmaligen und beispiellosen Vorgang". Verdi-Chef Frank Bsirske kritisierte, in der Geschichte der Bundesrepublik habe es „massenhafte Kündigungen wegen eines Streiks noch nie gegeben". Am Samstag hatten in Kiel 3.500 Menschen gegen die Kündigungen demonstriert.

Lohnerhöhungen vereinbart
Die Tarifparteien vereinbarten für die Beschäftigten der Akutkliniken von Damp Lohner­höhungen, die dem jüngsten Abschluss für den öffentlichen Dienst entsprechen. Diese Entgeltvereinbarung gilt bis Februar 2014. Bereits ab Januar 2013 sollen die Akutklini­ken in den Helios-Konzerntarifvertrag übergeleitet werden.

Die Mitarbeiter der vier Rehabilitationskliniken und des Therapie-Centrums Damp erhalten geringere Entgeltsteigerungen. Deren Beschäftigte erhalten laut ver.di rückwirkend zum 1. Mai eine Gehaltserhöhung von 3,5 Prozent, zusätzlich 1,4 Prozent ab 1. Januar 2013. Dies gilt auch für das Therapiezentrum Stralsund, das in den Tarifvertrag einbezogen wird.

„Kein Klinikmitarbeiter wird künftig weniger verdienen als heute", sagte der Regional­geschäftsführer Nord-West der Helios-Kliniken, Jörg Reschke. Klinikmitarbeiter, die bereits heute über dem Niveau des Tarifvertrags für den öffentlichen Dienst liegen, erhielten 50 Prozent der Tarifsteigerungen.

Verbesserungen gibt es auch beim Weihnachtsgeld, das künftig unabhängig von einer Gewerkschaftszugehörigkeit einheitlich ausgezahlt wird. Laut ver.di bedeutet die neue Regelung für den Großteil der Beschäftigten eine deutliche Erhöhung, teilweise sogar eine Verdoppelung.

Paschke sprach von einer „außergewöhnlich harten Auseinandersetzung". Die Verhand­lungskommission empfiehlt der Tarifkommission die Annahme des Ergebnisses. Danach werden die Gewerkschaftsmitglieder bei Damp in einer zweiten Urabstimmung darüber abstimmen. Die Streiks werden ab Donnerstag eingestellt. © dapd/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
6.770 News Politik

Nachrichten zum Thema

25.05.13
Marburger Bund fordert Tarifbindung im ambulanten Bereich
Hannover – Tarifverträge für Ärztinnen und Ärzte, die als Angestellte in den Praxen niedergelassener Ärzte arbeiten, hat der 1. Vorsitzende des Marburger Bundes (MB), Rudolf Henke, gefordert. „Wir...
23.05.13
Diakonie Niedersachsen: Tarifeinigung jenseits des „Dritten Weges“?
Hannover – Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und die niedersächsische Diakonie auf der einen Seite sowie die Gewerkschaften Marburger Bund (MB), Landesverband Niedersachsen, und...
11.04.13
Universitäts­kliniken: 4,6 Prozent mehr Gehalt über 23 Monate
Berlin – Der Marburger Bund (MB) und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) haben sich heute in Berlin auf einen neuen Tarifvertrag für die rund 18.000 Ärztinnen und Ärzte in...
25.03.13
Große Tarifkommission des Marburger Bundes stimmt Tarifabschluss mit VKA zu
Berlin - Die Große Tarifkommission des Marburger Bundes (MB) hat am Samstag mit deutlicher Mehrheit dem Ergebnis der Tarifverhandlungen mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA)...
12.03.13
Gießen – Nach der Massenkarambolage auf der Autobahn in der Wetterau hat die Gewerkschaft Verdi einen für Mittwoch geplanten Warnstreik im Uni-Klinikum Gießen/Marburg abgesagt. Die Nachricht von den...
12.03.13
Gießen – Am privatisierten Universitätsklinikum Gießen/Marburg ist für morgen ein ganztägiger Warnstreik ausgerufen worden. Die Gewerkschaft Verdi will damit nach heutigen Angaben Druck in den...
08.03.13
Berlin – 6,5 Prozent mehr Gehalt und eine bessere Bezahlung der Arbeit in der Nacht und an Samstagen – das sind die zentralen Forderungen des Marburger Bundes (MB) in den Tarifverhandlungen für die...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Andreas Skrziepietz
am Mittwoch, 4. Juli 2012, 14:24

Wir helfen gern!

Steht auf dem Wagen, aber es stimmt ja nicht. Die übliche Lüge im Gesundheitswesen: "Wir arbeiten nicht für Geld, sondern weil wir helfen wollen."
Dann verzichtet doch bitte auf die Gehaltserhöhung!

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in