6.758 News Politik

Politik

Rechtsgutachten hält neuen Bluttest auf das Down-Syndrom für illegal

Donnerstag, 5. Juli 2012

Berlin – Der vom Konstanzer Unternehmen „LifeCodexx“ für Juli angekündigte pränatale Test auf Down-Syndrom „PraenaTest“ durch eine Blutentnahme bei der werdenden Mutter ist kein zulässiges Diagnosemittel nach dem Gendiagnostikgesetz. Dies ist zumindest das Fazit des heute veröffentlichten Rechtsgutachtens von Ferdinand Gärditz von der Universität Bonn. Wegen einer unzulässigen Gefährdung der Sicherheit und Gesundheit Dritter sei zudem der „PraenaTest“ entsprechend dem Medizinprodukte­gesetz nicht als Medizinprodukt verkehrsfähig, erklärte Gärditz. Die zuständigen Landesbehörden seien nach dem Gesetz ermächtigt, zu verhindern, dass der "PraenaTest" auf den Markt komme.   

„Der Test dient weder medizinischen noch therapeutischen Zwecken. Nach dem Gendiagnostikgesetz müssen aber gerade diese Zwecke für eine zulässige vorgeburtliche Untersuchung vorliegen“, erklärte Hubert Hüppe, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen.  Das Down-Syndrom ist weder therapierbar noch heilbar. „Es geht beim Bluttest fast ausschließlich um die Selektion von Menschen mit Down-Syndrom. Er diskriminiert damit Menschen mit Down-Syndrom in der schlimmsten Form, nämlich in ihrem Recht auf Leben", warnte Hüppe.

Anzeige

Im Gegensatz zur risikoreichen Amniozentese werden für „PraenaTest“ nur zweimal zehn Milliliter Blut der Mutter untersucht. Von den Krankenkassen wird er nicht übernommen  und kostet etwa 1.200 Euro. Doch mit dem neuen „vermeintlich einfacheren“ Test sei zu befürchten, dass die „Rasterfahndung“ nach Menschen mit Down-Syndrom noch verstärkt werde, sagte Hüppe.

 „Damit steigt der Druck auf Frauen, den angeblich risikoärmeren Test durchführen zu lassen und bereits bei auffälligem Befund abzutreiben. Frauen, die ein Kind mit Down-Syndrom austragen, werden sich zukünftig noch mehr rechtfertigen müssen.“ Im Gendiagnostikgesetz seien für derartige unzulässige vorgeburtliche Untersuchungen mögliche strafrechtliche Folgen vorgesehen.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, sieht den Test indes nicht als den Kern des Problems: Es stehe nicht eine neue Diagnose-Methode zur Diskussion, „sondern es geht um die Pränatal-Diagnostik und ihre Konsequenzen insgesamt“, sagte er der Rheinischen Post. „Unsere Gesellschaft hat sich für Pränatal-Diagnostik entschieden. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Daher ist es besser, diesen Bluttest anzuwenden, als eine mit Risiken behaftete Fruchtwasser­untersuchung vorzunehmen.“

Behindertenverbände, Lebensschützer und Vertreter der katholischen Kirche lehnen den Bluttest indes ab, weil er eine Selektion von Menschen mit Behinderung ermögliche. Zuletzt hatte der Münsteraner Bischof Felix Genn die „Allmachtsfantasie“ angeprangert, dass der Mensch bis ins Erbgut hinein alles machen und kontrollieren wolle. © ER/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
6.758 News Politik

Nachrichten zum Thema

30.04.13
Ethikrat plädiert für neue Regelungen bei der genetischen Diagnostik
Berlin – Der Deutsche Ethikrat fordert eine Stärkung der Patientenrechte durch Maßnahmen zur verbesserten Information, Aufklärung und Beratung der Bevölkerung. Dazu seien angesichts eines immer...
06.12.12
Pränataldiagnostik: Microarray übertrifft Karyotypisierung
New York – Eine Microarray-Analyse hat in einer Vergleichsstudie alle wesentlichen Befunde der Karyotypisierung in der Pränataldiagnostik gefunden und darüber hinaus weitere Gendefekte entdeckt. Die...
15.11.12
Konstanz – Der ethisch umstrittene Schwangeren-Bluttest auf das Downsyndrom verzeichnet eine wachsende Nachfrage. Mittlerweile bieten in Deutschland, Österreich und der Schweiz rund 150 Praxen und...
25.09.12
Hamburg – Auf die im Gendiagnostikgesetz vorgeschriebene ausführliche ärztliche Beratung vor dem sogenannten Praena-Test zur Früherkennung von Trisomie 21 hat die Ärztekammer Hamburg hingewiesen. Mit...
20.09.12
Konstanz – Einen Monat nach der Markteinführung des umstrittenen Bluttests zur Erkennung der Trisomie 21 während der Schwangerschaft wird das Verfahren offenbar schon von Dutzenden Praxen in...
13.09.12
Köln – Auf scharfe Kritik stößt der Praena-Test zur Früherkennung von Trisomie 21 beim Arzt und Direktor des Diözesan-Caritasverbandes für das Erzbistum Köln, Frank Johannes Hensel. Er befürchtet,...
20.08.12
Konstanz – Der Schwangeren-Bluttest zur vorgeburtlichen Bestimmung des Down-Syndroms ist seit heute in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und in der Schweiz verfügbar. Das teilte die Konstanzer...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in