6.765 News Politik

Politik

Häusliche Krankenpflege: Streit um die Vergütung im Nordosten

Donnerstag, 5. Juli 2012

Schwerin – Im Konflikt um die Vergütung für häusliche Krankenpflege wird der Ton zwischen Krankenkassen und Pflegediensten rauer. Rund 500 Beschäftigte machten nach Angaben der Organisatoren vor der AOK-Geschäftsstelle in Schwerin ihrem Unmut Luft. Zeitgleich warfen AOK, IKK und BKK den Dienstleistern vor, Patienten mit den Protesten zu verunsichern.

Die Pflegedienste befürchten Einschnitte bei der Vergütung um bis zu 18 Prozent. Deshalb gingen in den vergangenen Tagen mehrfach Hunderte Pfleger auf die Straßen in Anklam, Wismar, Neubrandenburg sowie Rostock, wo mehr als 300 Teilnehmer am Mittwoch ein Memorandum an Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) übergeben hatten.
In Schwerin sagte die Vizevorsitzende des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste, Susanne Pletkowski: „Es ist ein Skandal, dass Krankenkassen wie die AOK Nordost, die BKKen und die IKK auf Milliardenüberschüssen sitzen, aber der ambulanten Pflege in Mecklenburg-Vorpommern die Luft zum Atmen nehmen.“

Anzeige

Die Pfleger befürchten, künftig auf Lohn verzichten zu müssen, wenn die Vergütungen gekürzt werden. Nach einer langen Auseinandersetzung hatte im Juni ein Schiedsspruch über neue Regeln der Vergütung entschieden. Die Pflegedienste erwogen zuletzt, dagegen zu klagen.

Kassen sprechen von „pauschalen Vorwürfen“
Die Kassen sprachen am Donnerstag von „pauschalen Vorwürfen der Pflegeverbände über angebliche Vergütungskürzungen“. Sie betonten, die Pfleger müssten sich keine Sorgen um ihr Einkommen machen. Vielmehr seien die Vergütungen verändert worden, weil es zum Beispiel neue Wohnformen im Land gebe. Zu einer Senioren-WG hätten Pfleger nunmehr nur noch einen Anfahrtsweg, könnten aber zugleich mehrere Patienten betreuen.

Die Gegenseite reagierte prompt und sprach von „fadenscheinigen Argumenten“ der Kassen. Der Chef der Liga der Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege, Bernd Tünker, kritisierte, die Kassen bedrohten die Existenzen von Pflegern und schürten Angst. Er sprach sich für eine Klage gegen den Schiedsspruch aus und fügte kämpferisch an: „Einzuknicken wäre ein Signal von Schwäche.“ © dapd/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
6.765 News Politik

Nachrichten zum Thema

25.03.13
Stuttgart – Wegen stockender Verhandlungen mit den Krankenkassen über höhere Vergütungen drohen Diakonie und Caritas mit der Schließung von Pflegediensten im Südwesten. „Wir sind am Ende dessen, was...
22.11.12
Stuttgart – Den gemeinnützigen Pflegediensten von Caritas oder Diakonie in Baden-Württemberg geht es finanziell zunehmend schlechter. Ein Drittel steckt derzeit trotz Zuschüssen in den roten Zahlen....
15.11.12
Luxemburg – Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat den Wettbewerb kleiner ambulanter Pflegedienste gestärkt. Die Befreiung von der Mehrwertsteuer für die Pflege kranker oder gebrechlicher Menschen...
11.10.12
Erfurt – Die privaten Pflegeanbieter in Thüringen fordern deutlich mehr Geld von Pflege- und Krankenkassen und der Landesregierung. „Die Vergütung der Pflegeleistung liegt derzeit in Thüringen 20 bis...
03.08.12
Private Pflegeanbieter im Nordosten warnen vor Pflegedienststerben
Berlin – Vor einem möglichen bundesweiten Pflegedienststerben hat heute der Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) gewarnt. Grund ist ein am Mittwoch in Mecklenburg-Vorpommern in Kraft...
24.04.12
Köln – Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen Betrugs in Millionenhöhe gegen zwei ambulante Pflegedienste in Köln. Die Pflegedienste sollen in großem Stil systematisch Pflegepläne und...
22.03.12
Berlin – Die Betrugsvorwürfe gegen ambulante Pflegedienste in Berlin beschäftigen die Staatsanwaltschaft. Derzeit seien dort 30 Verfahren aus fünf Bezirken anhängig, sagte Gesundheitssenator Mario...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in