5.499 News Vermischtes

Vermischtes

HIV: IQWiG findet Zusatznutzen für Rilpivirin als Kombipräparat

Freitag, 6. Juli 2012

Köln – Der Arzneistoff Rilpivirin wirkt auch als Kombipräperat. Darauf hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in einer Dossierbewertung hingewiesen. Demnach gibt es Belege, dass Rilpivirin auch in der fixen Kombination mit Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil HIV-1 infizierten Männern einen beträchtlichen Zusatznutzen bietet.

Für Frauen fand das IQWiG in den verfügbaren Studien entsprechende Hinweise. „Dies entspricht dem Ergebnis der Dossierbewertung des Rilpivirin-Monopräparats vom April“, so die Wissenschaftler. Dem Institut zufolge steht erwachsenen Patienten, die mit dem Humanen Immundefizit-Virus Typ1 (HIV-1) infiziert sind, seit Anfang April der Arzneistoff Rilpivirin zur Verfügung. Es gibt ihn als Mono- und Kombipräparat (Handelsname Eviplera). Weil bei der ersten Dossierbewertung zu Eviplera maßgebliche Daten fehlten, konnte das IQWiG in dem Kombinationspräparat zunächst keinen Zusatznutzen zuerkennen.

Anzeige

Unter Einbeziehung zusätzlicher Studiendaten, die der Hersteller im Stellungnahme­verfahren beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) nachgereicht hat, kommt das Institut nun zu diesem anderen Ergebnis.

Als zweckmäßige Vergleichstherapie hatte der G-BA jeweils Efavirenz in Kombination mit einer aus weiteren Wirkstoffen bestehenden sogenannten Sockeltherapie festgelegt. Insgesamt lagen dem IQWiG die Ergebnisse aus drei Studien vor. In allen drei Studien wurde Rilpivirin als Einzelsubstanz getestet. „Dennoch sind die Ergebnisse auch für die Bewertung des Kombinationspräparats relevant“, erklärten die Wissenschaftler. Denn die Dosierung von Rilpivirin, Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil, die in diesen Studien verabreicht wurde, entspreche der Dosierung in der Fixkombination.

Das IQWiG fand in den Studien einen Hinweis, dass die Effekte auf die Verminderung der Viruslast bei Männern und Frauen unterschiedlich sind und die Daten deshalb getrennt betrachtet werden sollten. Viruslast bezeichnet die Zahl von Virenbestandteilen im Blut und zeigt an, wie aktiv HIV ist. So zeigte sich dem Institut zufolge in den drei Studien ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten der Rilpivirin-Kombination für männliche Patienten. Deshalb sieht das IQWiG bei mit HIV-1 infizierten Männern, nicht jedoch bei Frauen einen Beleg für einen Zusatznutzen.

Laut Institut hat Rilpivirin als Kombinationspräparat auch bei Nebenwirkungen Vorteile: Sogenannte neurologische Ereignisse wie etwa Kopfschmerzen oder Schlaflosigkeit traten hier seltener auf. Unterschiede zwischen Männern und Frauen ergaben sich hierbei nicht. Die vom Hersteller vorgelegte Auswertung hat dem IQWiG zufolge jedoch einige Unsicherheiten, weshalb das Institut hier keinen Beleg, sondern nur einen Hinweis auf einen geringeren Schaden von Rilpivirin sieht.

In der Gesamtschau der Ergebnisse zu Nebenwirkungen und der Viruslast geht das Institut bei männlichen Patienten von einem Beleg für einen beträchtlichen Zusatznutzen aus, bei Frauen von einem entsprechenden Hinweis.. © hil/aerzteblatt.de

Drucken Versenden Teilen
5.499 News Vermischtes

Nachrichten zum Thema

04.04.13
HIV: Breitband-Antikörper als Roadmap zur Impfstoffentwicklung
Durham – Ungefähr einer von fünf HIV-Infizierten entwickelt im Verlauf der Erkrankung Breitband-Antikörper. Sie könnten die Patienten möglicherweise vor einer Immunschwäche schützen, wenn sie zu einem...
15.03.13
HIV: Funktionelle Heilung bei früher Therapie möglich
Paris – Nach dem Bericht über die „funktionelle Heilung“ eines Neugeborenen im US-Staat Mississippi haben sich französische Wissenschaftler zu Wort gemeldet. In PLoS Pathogens (2012; 9(3): e1003211)...
13.03.13
Berlin – Die Deutsche Aids-Hilfe (DAH) hat das Votum des Nationalen Aids-Beirats positiv bewertet. In dem gestern veröffentlichten Papier heißt es unter anderem, Strafverfahren bezüglich der...
06.03.13
Funktionelle HIV-Heilung: WHO sieht keinen Grund für neue Leitlinien
Genf – Der Bericht über die „funktionelle Heilung“ einer perinatalen HIV-Infektion durch die frühzeitige antiretrovirale Therapie wirft die Frage auf, ob die Empfehlungen zur Diagnose und Therapie von...
05.03.13
Afrika: HIV-Präventions­studie scheitert am Desinteresse junger Frauen
Harare/Seattle – Eine große Studie zur Präexpositionsprophylaxe einer HIV-Infektion ist in Afrika nicht an der Wirkungslosigkeit der Medikamente, sondern an der fehlenden Adhärenz junger Frauen...
04.03.13
HIV: „Funktionelle Heilung“ eines Frühgeborenen in den USA
Atlanta – Ein Frühgeborenes aus dem US-Staat Mississippi könnte nach dem „Berliner Patienten“ der zweite Mensch sein, der mit ärztlicher Hilfe von einer HIV-Infektion befreit wurde. Mediziner, die den...
22.02.13
HIV: Therapie erhöht Lebenserwartung in Südafrika dramatisch
Boston – Die Ausweitung der antiretroviralen Therapie könnte zu den erfolgreichsten Public-Health-Maßnahmen aller Zeiten gehören. In der südafrikanischen Provinz KwaZulu-Natal ist die Lebenserwartung...

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Mehr zum Thema


Themen

A
Ä
B
C
D
E
F
G
H
I
K
L
M
N
O
Ö
P
Q
R
S
T
U
Ü
V
W
Z
Suchen

Login

E-Mail

Passwort


Passwort vergessen?

Registrieren

newsletter.aerzteblatt.de

Newsletter

Informieren Sie sich täglich (montags bis freitags) per E-Mail über das aktuelle Geschehen aus der Gesundheitspolitik und der Medizin. Bestellen Sie den kostenfreien Newsletter des Deutschen Ärzteblattes

Immer auf dem Laufenden sein, ohne Informationen hinterher zu rennen: Der tagesaktuelle Newsletter

Aktuelle Kommentare

Archiv

RSS

RSS

Die aktuellsten Meldungen als RSS-Feed. Mit einer geeigneten Software können Sie den Feed abonnieren.

Merkliste

Anzeige
Eingeloggt als

Suchen in