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Mehr Mutter-Kind-Kuren nach psychischen Erkrankungen

Dienstag, 10. Juli 2012

Berlin –­ Die Anzahl psychisch kranker Mütter, die Mutter-Kind-Kuren erhalten, ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Das geht aus Daten des Müttergenesungswerks (MGW) hervor. „In den vergangenen acht Jahren hat sich die Anzahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom, Burn-out oder akuter Belastungsreaktion in unseren Kliniken von 49 auf 81 Prozent erhöht“, sagte die Kuratoriumsvorsitzende des Müttergenesungswerks, Marlene Rupprecht, heute in Berlin.

Viele dieser Erkrankungen entstünden durch Überlastungen im Alltag, durch Zeitdruck und Stress. Denn Mütter seien oft Mehrfachbelastungen ausgeliefert durch ihre Kinder, ihren Beruf und manchmal auch durch die Pflege ihrer Eltern. „Das geht quer durch alle Schichten“, erklärte Rupprecht. „Die gesellschaftlichen Belastungen sind in den Schichten angekommen, die bisher davon verschont geblieben waren – bei Menschen mit höherer Bildung und höherem Einkommen.“

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Ursächlich seien auch die wegbrechenden Familienstrukturen. „Man erwartet heute eine hohe Flexibilität von jungen Eltern. Man muss dorthin gehen, wo die Arbeit ist“, kritisierte Rupprecht. Dadurch fehlten dann aber die Familie und Nachbarn, die sich um die Kinder kümmern könnten. Die Folge sei eine Dauerbelastung, die krank mache.

34 Prozent der Mütter in den Kliniken des Müttergenesungswerkes sind alleinerziehend – im bundesweiten Durchschnitt sind etwa 19 Prozent der Mütter alleinerziehend. Der Anteil der Frauen mit geringem Familieneinkommen (weniger als 1.500 Euro im Monat) ist in den letzten acht Jahren zudem um zwölf Prozent auf 23 Prozent gesunken. Der Anteil der Frauen mit hohem Familieneinkommen (zwischen 2.500 und 3.500 Euro) ist hingegen um 17 Prozent auf 36 Prozent gestiegen.

Die Geschäftsführerin des MGW, Anne Schilling, lobte die neue Begutachtungsrichtlinie für Mütter-/Vater-Kind-Maßnahmen des Medizinischen Dienstes des GKV-Spitzenverbandes, die im Februar dieses Jahres in Kraft getreten ist. „Das Antragsverfahren hat sich in den letzten Monaten für Mütter spürbar verbessert“, sagte sie. „Krankenkassen bewilligen mehr und schneller Kurmaßnahmen.“

Zuvor hätten es Krankenkassen mit ihrem Antrags- und Bewilligungsverfahren Müttern schwer gemacht, Kuren zu erhalten. Dadurch sei die Zahl der Maßnahmen drastisch zurückgegangen. Im ersten Quartal dieses Jahres nun seien die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen in diesem Bereich um 20 Prozent gestiegen. „Das freut uns sehr“, erklärte Schilling. Probleme gebe es allerdings noch immer bei dem Wahlrecht der Mütter. © fos/aerzteblatt.de

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